© Jonathan Borba

FIA stoppt Monaco-GP wegen bröckelndem Asphalt

Die FIA hat den Monaco-Grand-Prix zehn Runden vor Schluss mit der roten Flagge gestoppt, weil in Kurve 19 der Asphalt auseinanderbrach und nach zwei Unfällen an derselben Stelle die Strecke überprüft werden musste.

Race Control benannte den Grund ungewöhnlich klar. In der offiziellen Mitteilung hieß es: „The red flag is for the inspection of the asphalt that is crumbling in Turn 19.“ Zuvor war zunächst Lance Stroll im Bereich der letzten Kurve verunfallt, kurz nach dem folgenden Safety-Car-Abschnitt schlug dann auch Charles Leclerc dort ein. TV-Bilder zeigten anschließend, wie sich der Belag tatsächlich löste.

Brisant wurde der Vorfall vor allem deshalb, weil mehrere Fahrer sagten, die Warnzeichen seien deutlich früher erkennbar gewesen. Nico Hülkenberg, Haas-Fahrer, sagte, man habe das Problem schon bei der Fahrerparade vor dem Rennen sehen können: „Man konnte es schon vor dem Rennen bei der Fahrerparade sehen. Da haben Teile gefehlt, und es begann aufzubrechen. Das war übel.“ Carlos Sainz erklärte, er habe die ersten Anzeichen bereits in Runde 1 bemerkt.

Auch aus dem Cockpit kamen während des Rennens Hinweise. Sergio Pérez meldete laut Bericht schon in Runde 25 per Funk: „They have to clean the asphalt in the last corner.“ Nach Strolls Unfall legte er nach und sagte: „That is not his fault. I say all race that that part of the track needs to be cleaned. It was inevitable that this would happen.“ Ein anderer Bericht zitiert Pérez sogar damit, dass er seit Runde 10 gewarnt habe, weil sonst ein Unfall passieren würde.

Oscar Piastri beschrieb, wie schnell sich die Stelle verschlechterte. Zunächst hätten einige Fahrer gedacht, es handle sich nur um Gummiabrieb, dann seien Löcher im Asphalt sichtbar geworden. Weil die beschädigte Zone direkt auf der Ideallinie lag, mussten die Fahrer ihre Linie durch die letzte Kurve immer weiter anpassen. Berührte man die Stelle, sei es „wie Eis“ gewesen, sagte der McLaren-Pilot. Auf die Frage, ob die Kurve beim Restart sicher gewesen sei, antwortete er nach dem Rennen knapp: „Non“.

Damit rückte auch das Vorgehen der Rennleitung in den Fokus. Die frühe Warnung mehrerer Fahrer führte nicht zu einer sofortigen Unterbrechung, obwohl sich die Oberfläche weiter verschlechterte und Stroll bereits an dieser Stelle eingeschlagen war. Erst nach Leclercs Unfall wurde das Rennen gestoppt.

Während der Unterbrechung begutachtete Rennleiter Rui Marques die beschädigte Stelle persönlich. Lose Asphaltstücke wurden entfernt, und die Teams sollten die Einschätzung ihrer Fahrer zur betroffenen Kurve einholen. Trotzdem war das Problem vor dem Neustart aus Sicht einiger Piloten nicht vollständig behoben. Hülkenberg sagte, vor dem Restart seien noch immer Löcher sichtbar gewesen, auch wenn er die Lage für die letzten Runden nicht mehr als akute Gefahr einstufte.

Dass ein Formel-1-Rennen in Monaco in seiner Schlussphase nicht wegen eines Massenunfalls oder Regens, sondern wegen zerfallender Fahrbahn gestoppt werden musste, verschärft die Fragen an Streckenqualität und Rennleitung gleichermaßen. Vor allem bleibt der Eindruck, dass die Warnungen der Fahrer lange vor der roten Flagge da waren.