Nach Platz fünf in Barcelona und 35 Sekunden Rückstand auf McLaren-Teamkollege Lando Norris ist Oscar Piastri nach dem Spanien-Grand-Prix 2026 ins Zentrum einer deutlich schärferen Debatte über seine Form geraten.
Der Abstand fiel vor allem deshalb auf, weil Norris als Dritter zeitweise Druck auf die Mercedes ausüben konnte, während Piastri auf der Strecke nicht um das Podium kämpfen konnte. Sein fünfter Platz sah am Ende sogar besser aus, als sein tatsächliches Renntempo war, weil ihn die Ausfälle von Andrea Kimi Antonelli und Charles Leclerc noch um zwei Positionen nach vorn brachten.
Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister von 2016, urteilte bei Sky Sports hart über die jüngste Entwicklung des McLaren-Fahrers. „Zuletzt läuft es für ihn nicht besonders gut“, sagte Rosberg. Sein „Marktwert“ habe in den vergangenen Wochen und Monaten „etwas gelitten“. Besonders überraschend sei für ihn, dass Piastri im vergangenen Jahr „wirklich die ganze Zeit auf Augenhöhe mit Lando“ gewesen sei, während Norris in dieser Saison „etwas davongezogen“ sei.
Jacques Villeneuve, Weltmeister von 1997, ging noch weiter. Piastri sei nach einem starken Eindruck im Fahrerlager eingebrochen, sagte er: „Dann ist er eingebrochen, seine Form ist abgefallen, und er hat sich davon nicht erholt. Das ist wirklich seltsam.“ Villeneuve fügte hinzu, inzwischen spreche „niemand mehr über ihn“. Das zeige, wie schnell Urteile im Sport gefällt würden: „Zwei, drei schlechte Rennen, und okay, weiter zum Nächsten.“
Piastri selbst konnte nach dem Rennen noch nicht erklären, warum sein Sonntag so schwach ausfiel. Auf die Frage, ob er den großen Zeitverlust gegenüber Norris schon verstehe, antwortete der McLaren-Pilot: „Nicht wirklich.“ Er habe „viele verschiedene Dinge ausprobiert“ und sei dabei „auf viele unterschiedliche Probleme gestoßen“. Als Hauptproblem nannte er Grip und Reifenverschleiß: „Ich hatte große Schwierigkeiten mit dem Grip und natürlich auch mit dem Reifenverschleiß.“ Im Moment habe er keine Antworten, sagte er, und zeigte sich selbst überrascht, „dass ich so große Probleme hatte“.
Gerade diese Mischung aus klar sichtbarem Rückstand und fehlender unmittelbarer Erklärung verschärft den Eindruck nach Barcelona. Piastri sagte, es habe zwar immer wieder einzelne Runden gegeben, die sich etwas besser angefühlt hätten, doch das sei „normalerweise einige Runden später wieder bestraft“ worden. „So war es einfach kein leichter Nachmittag“, sagte er.
Trotzdem ist das Bild über die Saison hinweg deutlich weniger eindeutig, als es die Kritik nach Barcelona vermuten lässt. Nach den vorliegenden Zahlen liegt Piastri im teaminternen Vergleich gegen Norris sowohl im Qualifying als auch in den Rennen mit 4:3 vorn. In der Fahrerwertung trennen die beiden nur fünf Punkte, dazu kommen je zwei Podestplätze auf beiden Seiten.
Barcelona hat Piastris Problem damit nicht endgültig definiert, aber es hat es sichtbar gemacht. Wenn zwei Ex-Weltmeister offen von sinkendem Ansehen und verlorener Dynamik sprechen, während die Zahlen den Rückstand auf Norris weiterhin klein halten, wird jedes weitere Wochenende für Piastri zum Test, ob Barcelona ein Ausreißer war oder der Formtrend, vor dem seine Kritiker jetzt warnen.
© Jonathan Borba