Cadillac hat Teamchef Graeme Lowdon nach nur elf punktlosen Rennen seiner ersten Formel-1-Saison entlassen, Marcin Budkowski als Nachfolger installiert und anschließend offengelegt, dass Lowdon erst am Morgen der Bekanntgabe über die ausdrücklich nicht einvernehmliche Entscheidung informiert wurde.
Damit bekam ein Wechsel, den das Team zunächst als „geplanten Führungsübergang“ darstellte, sofort eine deutlich schärfere Note. Cadillac-CEO Dan Towriss sagte in einer Medienrunde, die Entscheidung sei allein von ihm getroffen worden: „Es war meine Entscheidung, es war keine einvernehmliche Entscheidung.“ Der Prozess habe „vor einigen Monaten“ begonnen, als es um die nächste Phase des Projekts gegangen sei. Lowdon und er hätten erst „heute Morgen“ gesprochen.
Der Zeitpunkt ist in sportlicher Hinsicht kaum zufällig. Cadillac ist nach elf Saisonrunden Letzter der Konstrukteurswertung und als einziges Team noch ohne WM-Punkt. Sergio Perez und Valtteri Bottas kamen zusammen auf neun Grand-Prix-Ausfälle, und in nur einem der letzten sieben Rennen sahen beide Autos die Zielflagge. Die Zuverlässigkeit ist damit zum größten Bremsklotz des Debütjahres geworden.
Towriss bestritt zwar, dass Lowdon nur in einer Übergangsrolle gearbeitet habe, verknüpfte den Schritt aber klar mit Leistung und der weiteren Entwicklung des Teams. Einen sauberen, längeren Vorlauf habe es in der Formel 1 aus seiner Sicht nicht gegeben, weil ein früheres Bekanntwerden des Wechsels den bestehenden Führungsapparat destabilisiert hätte. Deshalb wirke der Schnitt abrupter, „als er es sonst wäre“, sei aber in dieser Form notwendig gewesen.
Das macht den Bruch bemerkenswert, weil Lowdon eigentlich als Architekt des Projekts galt. Er war im Dezember 2024 zum Teamchef ernannt worden und hatte Cadillac über Jahre beim Aufbau Richtung Formel 1 geführt, noch bevor der Einstieg endgültig feststand. In diese Phase fielen auch die Verpflichtungen von Perez und Bottas für die Debütsaison 2026.
Der strategische Kern der Entscheidung liegt schon hinter dem restlichen Saisonverlauf. Towriss machte deutlich, dass es ihm um die Ausrichtung der nächsten Entwicklungsstufe geht und ein neuer Teamchef zu diesem Zeitpunkt noch Einfluss auf das 2027er Projekt nehmen kann. Gerade deshalb kam der Wechsel früher als viele im Fahrerlager erwartet hatten.
Budkowski übernimmt die sportliche Führung ab dem Grand Prix der Niederlande in Zandvoort und bleibt auch darüber hinaus im Amt. Der frühere Alpine-Manager und Ex-FIA-Technikchef soll nun vor allem die Zuverlässigkeit stabilisieren, Abläufe und Kommunikation verbessern und die Organisation in die Phase führen, in der aus einem aufgebauten Neueinsteiger ein konkurrenzfähigeres Formel-1-Team werden muss.
© Jonathan Borba