Mercedes kann McLarens und Ferraris Aufrüsttempo nach Angaben von Toto Wolff kurzfristig nicht mitgehen, weil der Rennstall seinen Spielraum unter dem Budgetcap bereits über die Saison verteilt hat. Die Aussage kommt, nachdem Lando Norris für McLaren sowohl in Ungarn als auch beim Grand Prix der Niederlande in Zandvoort gewonnen hat.
„Wir haben nicht das Geld, um Entwicklungen ans Auto zu bringen“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen in Zandvoort gegenüber Medien einschließlich RacingNews365. Mercedes versuche, seine Mittel gleichmäßig über die Saison zu verteilen und anhand eigener Berechnungen jene Zeitpunkte für die größten Pakete zu wählen, die die WM-Ausbeute maximierten. „Aber wir können eben nicht tun, was wir nicht tun können“, sagte Wolff.
Der Kontrast zur Entwicklung der Konkurrenz ist deutlich. Mercedes gewann die ersten sechs Saisonrennen, holte in den folgenden sechs Grands Prix aber nur noch zwei Siege, ebenso viele wie Ferrari und McLaren. Während McLaren seine jüngste Siegesserie mit neuen Teilen in Ungarn und Zandvoort untermauerte, brachte Mercedes seit dem letzten großen W17-Paket in Kanada im Mai nur kleinere Änderungen.
Auch die FIA-Meldungen zeigen die unterschiedliche Aktivität, ohne die tatsächlichen Ausgaben vollständig abzubilden: Ferrari deklarierte 40 neue Komponenten, Red Bull und McLaren jeweils 38, Mercedes 24. Ein solcher Vergleich bleibt jedoch begrenzt, weil die Bauteile sehr unterschiedliche Kosten verursachen. Ein neuer Unterboden ist etwa erheblich teurer als eine Spiegelverkleidung.
Wolff bezeichnete den Rückstand im Entwicklungsrennen als unmittelbaren Performance-Nachteil. Jedes Upgrade eines Spitzenteams bringe mindestens einige Zehntelsekunden, erklärte er, und genau diesen Gewinn verliere ein Team, das nicht entsprechend nachlege. Deshalb sei der Saisonverlauf inzwischen schwieriger als zu Beginn.
McLaren-Teamchef Andrea Stella hält Wolffs Darstellung allerdings für wenig überzeugend. „Ich würde es gerne glauben, aber tatsächlich glaube ich es nicht“, sagte Stella nach Zandvoort. Er verwies auf einen zusätzlichen Budgetcap-Spielraum von 3 Millionen Dollar in der Abrechnung für 2026, der nach seiner Darstellung mit den Motorenregeln für 2027 zusammenhängt.
Stella erwartet deshalb, dass Mercedes noch Entwicklungsreserven aktivieren wird. „Ich bin sicher, dass ihr Auto im Windkanal deutlich schneller ist als das Auto, das sie auf der Strecke haben“, sagte der McLaren-Teamchef. Mercedes werde versuchen, einen Teil dieses Potenzials in Teile für das Einsatzauto umzusetzen.
Mercedes rechnet erst beim Malaysia-Grand-Prix in vier Rennen mit seinem nächsten großen Upgrade. Bis dahin muss das Team verhindern, dass McLaren und Ferrari den Schwung ihrer jüngsten Entwicklungen weiter in Punkte umsetzen. Wolff zufolge wiegen dabei auch die Zuverlässigkeitsprobleme schwer, die Mercedes bereits zwischen 50 und 100 mögliche WM-Punkte gekostet hätten.
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