Yuki Tsunoda hat seinen kurzfristigen Formel-1-Comebackeinsatz bei Racing Bulls in Zandvoort trotz Platz 11 als deutliche Bewerbung für ein Stammcockpit 2027 genutzt. Nach acht Monaten ohne Grand Prix kämpfte der Japaner im ihm weitgehend fremden VCARB-03 bis in die Schlussphase um Punkte und richtete anschließend eine unverblümte Botschaft an Teams mit offenen Plätzen: „Ruft mich bitte an!“
Tsunoda war beim Großen Preis der Niederlande für den am Handgelenk verletzten Isack Hadjar eingesprungen. Sein letzter F1-Start hatte im Dezember 2025 in Abu Dhabi stattgefunden. Für Racing Bulls war die Vorbereitung denkbar knapp: Den VCARB-03 hatte er vor dem Rennwochenende lediglich am Mittwoch im Simulator gefahren, ehe er in Zandvoort erstmals mit dem Auto auf die Strecke ging.
Der Rückkehrer fand dennoch schnell Anschluss an Stammpilot Arvid Lindblad. Im Sprint-Qualifying lag Tsunoda noch 0,360 Sekunden hinter seinem Teamkollegen, im Grand-Prix-Qualifying betrug der Abstand nur noch 0,102 Sekunden. Tsunoda zog als Achter durch Q1, wurde in Q2 Zwölfter und startete damit aus der sechsten Reihe.
Im Rennen hielt er sich lange in Reichweite der Punkteränge und war nach eigener Einschätzung bis wenige Runden vor Schluss im Kampf um die Plätze acht und neun. Erst am Ende rutschte er auf Rang 11 zurück, während sein früherer Teamkollege Pierre Gasly als Zehnter den letzten WM-Punkt holte. Lindblad kam hinter Tsunoda ins Ziel.
Für Tsunoda war vor allem die Geschwindigkeit seiner Anpassung ein wichtiges Signal. Der Red-Bull-Reservist und Racing-Bulls-Ersatzfahrer sagte nach dem Rennen zu ausgewählten Medien: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich mich schneller gesteigert habe, als ich erwartet hatte. Seit meinem letzten Rennen in Abu Dhabi bin ich in acht Monaten nur viermal gefahren. Dafür habe ich mich ziemlich gut geschlagen.“
Der Wechsel in ein anderes Auto brachte weit mehr als nur eine neue Abstimmung mit sich. Tsunoda musste sich auf abweichende Systeme, Knöpfe, Abläufe und das Energie-Management einstellen. Auch das Reifenverhalten sei anders gewesen. Racing Bulls habe ihm jedoch geholfen, schnell das nötige Vertrauen und Tempo aufzubauen. Die Enttäuschung über den verpassten Punkt blieb, doch die Nähe zu den Top Ten gab seinem Auftritt Gewicht.
Tsunoda betonte, dass ein einzelner Einsatz unter den aktuellen Regeln wertvoller sei als gar keine Gelegenheit, dem Fahrerlager seine Leistungsfähigkeit zu zeigen. Er habe mit wenigen Sessions nahe an den Punkten kämpfen können und alles aus der Chance herausgeholt.
Ob daraus ein Stammplatz 2027 wird, liegt nun bei seinem Manager und den Teams, die ihre Fahreraufstellungen noch nicht finalisiert haben. Tsunoda hat seine Forderung nach einer Rückkehr in die Formel 1 in Zandvoort jedenfalls nicht vorsichtig formuliert: „Ruft mich bitte an!“
© Jonathan Borba