Kimi Antonelli reist zu seinem 20. Geburtstag mit 59 Punkten Vorsprung zur Formel 1 nach Monza, muss bei seinem Heim-Grand-Prix aber wegen eines Power-Unit-Wechsels eine Startplatzstrafe akzeptieren. Der Mercedes-Pilot stellt damit den langfristigen Titelkampf über ein möglichst unbeschwertes Wochenende auf italienischem Boden.
Die Entscheidung fällt an einem symbolträchtigen Ort. Vor acht Jahren stand Antonelli als zwölfjähriges Grid Kid während der italienischen Nationalhymne auf der Startaufstellung von Monza. Nun kehrt er als jüngster WM-Führender der Formel-1-Geschichte auf dieselbe Strecke zurück. Er ist zudem der erste Italiener seit Alberto Ascari, der die Fahrerwertung anführt.
Seine Ausgangslage bleibt trotz der Strafe stark. Mit Platz zwei beim Großen Preis der Niederlande baute Antonelli sein Konto auf 242 Punkte aus und liegt 59 Zähler vor seinen punktgleichen Verfolgern George Russell und Lewis Hamilton. Lando Norris verkürzte den Abstand allerdings: Der McLaren-Fahrer gewann in Zandvoort seinen zweiten Grand Prix in Folge und liegt als Vierter noch 83 Punkte zurück.
Mercedes hatte Antonelli wegen der besonderen Bedeutung seines Heimrennens selbst entscheiden lassen, wann der notwendige Motorwechsel erfolgen soll. Der 20-Jährige wählte dennoch Monza und nimmt damit bewusst eine schwierigere Ausgangsposition in Kauf. „Es tut mir leid, das ausgerechnet bei meinem Heimrennen zu tun, aber ich muss an die Meisterschaft denken, und Monza ist eine gute Strecke, um eine Strafe zu nehmen, weil es Überholmöglichkeiten gibt“, sagte Antonelli nach dem Rennen in den Niederlanden.
Diese Einschätzung beruht auch auf der veränderten Kräfteverteilung an der Spitze. Mercedes gewann nach sechs Siegen in den ersten sechs Rennen nur zwei der vergangenen sechs Läufe. Antonelli räumte nach Zandvoort ein, dass sein Team nicht mehr das schnellste Auto im Feld habe. Seiner Einschätzung nach war Mercedes dort nur noch das zweit- oder drittschnellste Paket, während McLaren seit seinem großen Upgrade in Ungarn einen deutlichen Schritt gemacht habe.
Gerade deshalb wird die Startplatzstrafe zu einem frühen Belastungstest für Antonellis Titelkampagne. Monza unterscheidet sich mit seinen Hochgeschwindigkeitsanforderungen deutlich von Zandvoort und Ungarn. McLaren-Teamchef Andrea Stella sieht das Italien-Wochenende als entscheidenden Prüfstein dafür, ob die jüngsten Fortschritte seines Teams auch auf einem völlig anderen Streckentyp tragen. Kann Norris den Aufwärtstrend fortsetzen, erhält er durch Antonellis Strafe eine ungewöhnlich gute Gelegenheit, den WM-Rückstand vom 4. bis 6. September weiter zu verringern.
© Jonathan Borba