James Vowles ist überzeugt, dass Williams Carlos Sainz trotz eines enttäuschenden 2026er Saisonverlaufs halten kann, weil beide den Neuaufbau gleich sehen und die Wende eher über kommende Upgrades als über die aktuellen Resultate kommen soll.
Der Teamchef sagte Crash.net, er und Sainz sprächen "wahrscheinlich alle zwei Tage", und verwies darauf, dass der Spanier selbst klargemacht habe, dass er seine Zukunft bei Williams sehe. Die gemeinsame Frustration über das Leistungsniveau bestreitet Vowles nicht. Sainz hat in dieser Saison bislang nur drei neunte Plätze geholt und blieb in den vergangenen drei Rennen ohne Punkte. "Ist er frustriert darüber, wo wir heute stehen? Ja. Wenn ich ehrlich bin, bin ich ebenfalls frustriert", sagte Vowles. Entscheidend sei nun, ob Williams das "in die richtige Perspektive setzen, drehen und Leistung mit der richtigen Rate hinzufügen" könne.
Genau darin liegt der Druck auf die Beziehung zwischen Fahrer und Team. Williams ist im Mittelfeld zuletzt wieder zurückgefallen, und Sainz selbst sprach davon, dass das Team in den vergangenen zwei Rennen "klar das neunte Team" gewesen sei, "einen Schritt hinter Haas und zwei oder drei Schritte hinter RB". In Österreich sei Williams "fast von VCARB überrundet" worden, sagte er, ein Maßstab dafür, wie groß der Rückstand geworden ist.
Der Einbruch fällt umso härter aus, weil Williams 2025 mit Sainz und Alex Albon noch 137 Punkte holte und als Fünfter der Konstrukteurswertung das beste Ergebnis seit 2016 einfuhr. Das Auto für 2026 gilt dagegen als tiefe Enttäuschung, auch wenn es rund um Miami kurz so aussah, als könne sich das Team in Richtung Punktegruppe bewegen. Dieser Effekt hielt nur kurz an, bevor Williams wieder an den Ausgangspunkt zurückfiel.
Vowles und seine Fahrer setzen nun auf einen zweistufigen Rettungsplan. In Silverstone bringt Williams zunächst einen neuen Frontflügel, den Sainz als Hilfe bezeichnete, um "uns wieder in den Kampf zu bringen", aber nicht als Wundermittel. "Ja, ich bin optimistisch. Alle im Team haben die Hoffnung, die Situation zu verbessern. Offensichtlich wissen wir, dass das keine radikale Veränderung sein wird", sagte Sainz. Er erwarte keine Wunder und auch keinen plötzlichen Sprung an die Spitze des Mittelfelds.
Der größere Hebel soll erst später kommen. Vowles kündigte für den Aserbaidschan-Grand-Prix ein deutlich umfangreicheres Paket an. "Am besten beschrieben ist es als B-Spec-Auto, ein neues Chassis und weitere Teile, die gleichzeitig dazukommen", sagte er Crash.net. Dazu komme weitere Gewichtsreduktion, die leistungsmäßig "ziemlich signifikant" sein werde. Silverstone soll die Entwicklung des FW48 in die richtige Richtung lenken, Baku den eigentlichen Reset liefern.
Dass Sainz den Plan trotz der Lage mitträgt, zeigt sich auch an seinem Einsatz abseits der Strecke. Er sagte, er sei bereit, "viel von meiner privaten Zeit zu opfern", um dem Team zu helfen und Zeit in der Fabrik zu verbringen. Am Silverstone-Wochenende saß er nach eigenen Angaben bereits morgens um 8 Uhr im Simulator und arbeitete dort zwei bis drei Stunden am Verständnis des neuen Frontflügels und der Energiethemen.
Rückendeckung bekommt er von seinem Vater. Carlos Sainz Cenamor, Rallye- und Dakar-Champion, sagte über die Situation seines Sohnes: "Die Lebensphilosophie muss sein, die Arme nicht sinken zu lassen. In schwierigen Momenten muss man einen klaren Plan haben und die Zähne zusammenbeißen." Er lobte zugleich die Leistung seines Sohnes: Mit dem Material, das Williams derzeit habe, könne man nicht mehr herausholen, deshalb fahre Carlos Jr. "eine fantastische Saison".
Damit richtet sich der Blick zwangsläufig auf Vowles' Zeitplan für den Neuaufbau. Der Teamchef räumte ein, dass Williams gegenüber seinem ursprünglichen Plan in manchen Bereichen "leicht hinterher" liege, in anderen aber voraus sei. Er sprach davon, "N Jahre an Struktur" aufbrechen zu müssen, betonte aber auch, dass das mit der richtigen Investition, den richtigen Systemen und der richtigen Struktur machbar sei. Juan Pablo Montoya formulierte auf F1 TV die härtere Lesart: Williams könne die Konkurrenz "ohne technische Verbesserungen" nicht einholen und müsse womöglich "alles darauf setzen", dieses Jahr zu opfern, um im nächsten einen großen Sprung zu schaffen. Genau daran wird sich entscheiden, ob Vowles Sainz nicht nur mit Worten, sondern mit Tempo im Umbau bei Williams halten kann.
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