George Russell sagt, Mercedes habe seinen Fahrstil als Ursache ausgeschlossen und jage nach einem „ernsten Problem“ an seinem Auto, nachdem ihn ein rätselhafter Topspeed-Verlust im Qualifying zum Grand Prix von Belgien erneut klar gegenüber Teamkollege Kimi Antonelli zurückwarf.
Russell wurde in Spa Vierter und lag 0,508 Sekunden hinter Antonellis Pole-Runde. Entscheidend war aus seiner Sicht nicht die Arbeit in den Kurven, sondern der anhaltende Verlust auf den Geraden. Mercedes sei inzwischen „sehr zuversichtlich“, dass das Problem nicht an seiner Fahrweise liege. „Am Freitag habe ich acht Zehntel auf den Geraden verloren. Heute waren es vier Zehntel“, sagte Russell nach dem Qualifying. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Verschwunden sei das Problem aber nicht. Über das Wochenende habe er pro Runde allein auf den Geraden zwischen zwei und sechs Zehntel verloren.
Besonders frustrierend für Russell ist, dass der Einbruch für ihn im Cockpit sichtbar ist. „Sogar auf meiner letzten Runde habe ich aus irgendeinem Grund noch einmal anderthalb Zehntel gegen mich selbst verloren, nur auf der Geraden“, sagte er. „Wenn du auf dem Lenkrad siehst, dass du bei Vollgas auf der Geraden Geschwindigkeit verlierst, fühlst du dich machtlos.“ Mercedes wisse weiterhin nicht, was genau dahinterstecke.
Der Mercedes-Pilot schilderte, wie sich die Fehlersuche über mehrere Rennwochenenden hingezogen hat. In Silverstone habe das Team geglaubt, die Ursache gefunden zu haben, zunächst bei den Bremsen. Das habe sich als falsch erwiesen. Danach rückten sein Umgang mit dem Gas und sein Fahrstil in den Fokus. „Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass es etwas mit meinem Fahrstil zu tun hat“, sagte Russell. „Jetzt sind wir aber sehr zuversichtlich, dass es nicht der Fahrstil ist und dass ein ernstes Problem im Spiel ist.“ In einer späteren Einordnung sagte er zudem, erste Anzeichen habe es schon in Österreich gegeben.
Damit liegt Russell öffentlich nicht ganz auf einer Linie mit Teamchef Toto Wolff. Wolff sprach ebenfalls von einem unerklärlichen Verlust an Geradeaus-Speed, bezifferte ihn aber auf „ein paar Zehntel“ und brachte Antonellis frischere Power Unit als mögliche Erklärung ins Spiel. Zugleich sagte er, Russell verliere noch Zeit in einigen Kurven, an denen er arbeiten müsse. Russell selbst widersprach der Lesart, dass sein Fahrstil den Ausschlag gebe, und betonte, die Kurven sähen eher nach einem normalen Kampf um die Spitze aus als nach einem halben Sekundenrückstand.
Gerade das macht den Fall für Mercedes sportlich brisant. Russell sagte, sein gesamter Fokus in den vergangenen 36 Stunden habe der Geradeausgeschwindigkeit gegolten, nicht dem Setup oder den Reifen. Mit seiner Runde an sich sei er zufrieden gewesen. In den Kurven sei er in mehreren Passagen schneller gewesen, und ohne das Problem hätte die Runde aus seiner Sicht mindestens für die erste Startreihe reichen müssen.
Ob die Ursache in der Power Unit liegt, wollte Russell nicht festlegen. „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es die Power Unit ist“, sagte er, stellte aber zugleich klar, dass etwas das Auto auf den Geraden bremse und das Team mit Hochdruck an einer Lösung arbeite. Vor dem nächsten Rennwochenende in Budapest bleibt der Befund für ihn trotzdem derselbe: mehr Fragen als Antworten und die Hoffnung, dass Mercedes das Problem bis dahin endlich findet.
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