Carlos Sainz hat nach Startplatz 14 in Spa die bislang deutlichste Kritik an Williams' Formkrise formuliert und erklärt, dass selbst ein neues Chassis im geplanten „Auto B“ sowie das Update für Baku die Saison 2026 aus seiner Sicht nicht mehr retten werden. „Hay que espabilar“, sagte der Williams-Pilot bei DAZN, weil das Team im Mittelfeld bei der Entwicklung klar zurückfalle.
Sainz machte vor allem den Vergleich mit den direkten Konkurrenten auf. Er glaube nicht, „dass dieses Jahr, auch wenn es ein Auto B mit neuem Chassis und allem gibt, das mit den Schritten mithalten wird, die die anderen machen“. Als deutlichstes Beispiel nannte er Racing Bulls: „Jedes Mal, wenn sie ein Update bringen, sind es zwei Zehntel, und dieses Jahr haben wir kein einziges Update dieser Größenordnung gebracht.“ Das für Baku geplante Upgrade werde helfen, aber nicht ausreichen.
Spa habe für ihn gezeigt, wie tief das Problem inzwischen sitze. Das Wochenende sei „sehr kompliziert“ gewesen, mit „Problemen am Auto jeder Art“, die ihn daran gehindert hätten, viel zu lernen. Vor einer späten Fehlerbehebung sei er zeitweise „17., 18. oder 20.“ gewesen, „sogar langsamer als die Cadillac“. Erst kurz vor dem Qualifying habe Williams das Problem gefunden, danach habe er wieder das Maximum aus dem Auto holen können und Q2 erreicht.
Gerade das frustriert Sainz besonders, weil er seinen eigenen Beitrag nicht als Kernproblem sieht. In der Qualifikation finde er „ziemlich oft den Punkt des maximalen Potenzials des Autos“, sagte er, und wertete das als kleinen persönlichen Erfolg. Mehr gebe der FW48 aber derzeit nicht her: „Das Auto gibt leider nicht mehr her, so ist es eben.“ Entsprechend deutlich fiel auch sein Urteil über das Team aus: „Als Team wissen wir, dass wir nicht das Niveau und nicht das leisten, was wir versprochen haben und was wir leisten sollten.“
Für das Rennen sieht Sainz Williams praktisch in einer eigenen Kategorie am hinteren Ende des Mittelfelds. Haas sei der einzige realistische Gegner. Alpine liege „drei oder vier Zehntel“ vorn, Audi „sechs oder sieben“, Racing Bulls sogar „eine Sekunde“. Im Vorjahr habe im Mittelfeld noch eine sehr gute Runde gereicht, um von Q1 nach Q3 zu springen. Jetzt sei die Lücke so groß, dass „selbst die Runde deines Lebens nicht reicht“.
Daraus zieht Sainz eine ernüchternde Schlussfolgerung für den Rest der Saison. „Es fällt mir schwer zu glauben, dass wir da dieses Jahr noch herauskommen“, sagte er. Der Fokus müsse deshalb darauf liegen, aus dem Fehlschlag so viel wie möglich zu lernen, „um das Auto für nächstes Jahr deutlich konkurrenzfähiger zu entwerfen“, weil klar sei, dass Williams „das diesjährige Auto nicht mehr finden wird“.
Damit wird Spa für Williams weniger zum Wendepunkt als zu einer Bestandsaufnahme: Das Team kämpft nicht mehr nur um einzelne Positionen, sondern darum, aus einer verlorengehenden Saison die richtigen Lehren für den nächsten Wagen zu ziehen.
© Eterna