Gwen Lagrue, der 50 Jahre alte Fahrerentwicklungsberater von Mercedes, steht vor einem Wechsel zu Red Bull, wo er das Nachwuchsprogramm des Teams übernehmen soll. Offen ist aber noch, wann der Franzose anfangen kann, weil Red Bull und Mercedes laut mehreren Berichten noch über seine Freigabe aus dem laufenden Vertrag verhandeln.
Damit würde Red Bull die Lücke schließen, die nach dem Abgang von Helmut Marko Ende 2025 in einem der sensibelsten Bereiche der eigenen Struktur entstanden ist. Das Nachwuchsprogramm galt unter Marko über Jahre als zentrale Säule des sportlichen Modells des Teams und brachte unter anderem Sebastian Vettel, Max Verstappen, Daniel Ricciardo und Carlos Sainz hervor.
Lagrue kommt mit genau dem Profil, das Red Bull für diese Aufgabe sucht. Er leitete rund ein Jahrzehnt lang die Nachwuchsstruktur von Mercedes und war dort maßgeblich an der Förderung von George Russell und Kimi Antonelli beteiligt. Russell wurde durch die Juniorserien begleitet, debütierte 2019 mit Williams in der Formel 1 und wechselte 2022 ins Mercedes-Werksteam.
Noch stärker unterstreicht Antonellis Entwicklung Lagrues Ruf. Mercedes nahm den Italiener bereits im Alter von elf Jahren ins Visier. Vor dem Belgien-Grand-Prix führt Antonelli in seiner zweiten Formel-1-Saison die WM 2026 mit fünf Siegen und sechs Polepositions aus zehn Grand Prix an und liegt 25 Punkte vor Russell.
Bestätigt ist der Wechsel bislang nicht. Red Bull, Mercedes, Lagrue selbst und laut BBC Sport auch Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies wollten die Berichte nicht kommentieren.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff äußerte sich in Belgien zumindest vorsichtig zur Lage. Wolff sagte gegenüber unter anderem RacingNews365: „Das ist wirklich nicht wahr! Ich mache einen Witz. Wir sprechen mit Gwen über die Zukunft, aber noch ist nichts vereinbart oder entschieden. Gwen hat ein fantastisches Team aufgebaut.“
Für Mercedes hätte Lagrues Abgang direkte Folgen, weil das Team seine Nachwuchsabteilung intern neu ordnen müsste. Berichten zufolge verfügt Mercedes über eine Scouting-Struktur mit bis zu zehn Personen, die Talente bis hinunter in den Kartsport beobachten. Dabei dürfte Bradley Lord, der zuletzt zum stellvertretenden Teamchef befördert wurde, innerhalb des Programms noch wichtiger werden.
© Jonathan Borba