James Hinchcliffe hat Ferrari im F1-Nation-Podcast dazu aufgefordert, sich im Titelkampf schon jetzt auf Lewis Hamilton festzulegen, doch ein begleitender Kommentar weist diese Forderung mit Verweis auf den knappen teaminternen Abstand und Ferraris eigene Geschichte klar zurück.
Hinchcliffe argumentierte, Ferrari müsse, „wenn sie überhaupt eine Chance auf den Titel haben“, einen Fahrer unterstützen, und „angesichts des Punkteabstands zwischen Charles und Lewis“ müsse das „im Moment Lewis sein“. Seine Grundlage ist die aktuelle WM-Lage: Hamilton ist mit 147 Punkten Dritter, Charles Leclerc mit 108 Zählern Vierter.
Jolyon Palmer stützte die These im selben Podcast mit einem konkreten Rechenbeispiel. Hätte Ferrari in Silverstone vollständig auf Hamilton gesetzt und Leclerc den Sieg abgegeben, dann läge Hamilton laut Palmer nur 22 Punkte hinter Kimi Antonelli und sogar sechs Punkte vor George Russell. Aus dieser Perspektive, sagte Palmer, wären „Hamilton und Ferrari die größte Gefahr“ für Antonelli. Zugleich räumte er ein, dass Fred Vasseur ein solches Modell mit „zwei so ambitionierten Fahrern“ nur schwer durchsetzen könnte.
Genau dort setzt der Widerspruch des Kommentars an. Die Gegenposition lautet, dass eine so frühe Nummer-1-Entscheidung verfrüht wäre, weil Hamilton nur 33 Punkte vor Leclerc liegt und noch 316 WM-Punkte zu vergeben sind. Der Kommentar stellt zudem heraus, dass Hamilton und Leclerc keine klassische Nummer-1- und Nummer-2-Konstellation bilden, sondern „zwei Fahrer auf Augenhöhe“ sind. Als Beleg dient ihre erste gemeinsame Saison 2025, die Leclerc mit 242 zu 156 Punkten vor Hamilton beendete.
Als schärfstes historisches Gegenargument wird Ferraris Umgang mit Eddie Irvine und Michael Schumacher 1999 angeführt. Der Kommentar erinnert an Magny-Cours, wo Irvine laut eigener Aussage in einer Video-Serie auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com angewiesen wurde: „Mir wurde gesagt, ich soll hinter Michael bleiben.“ Irvine sagte rückblickend auch: „Letztendlich hat mich das die WM gekostet.“ Der zentrale Punkt der Argumentation: Ferrari opferte damals früh in der Saison einen Punkt, der Irvine am Ende womöglich zum Titel gefehlt hat.
Der Verweis auf 1999 zielt damit direkt auf die aktuelle Debatte. Statt zu zeigen, wie sinnvoll frühe Stallregie sein kann, soll das Beispiel nach Lesart des Kommentars belegen, wie stark sich eine vorschnelle Festlegung auf einen Nummer-1-Fahrer rächen kann. Gerade weil Leclerc sportlich noch in Reichweite ist, wird die Podcast-Forderung als riskant beschrieben.
Daraus leitet der Kommentar auch die politischen Folgen innerhalb des Teams ab. Eine offen pro Hamilton ausgerichtete Linie würde einen „weltweiten Shitstorm“ auslösen, Leclerc trotz seiner Vertragsverlängerung bis Ende 2028 zum „Wasserträger“ degradieren und das Verhältnis innerhalb der Scuderia massiv belasten. Die Schlussfolgerung ist entsprechend eindeutig: Eine solche Strategie wäre für Vasseur kaum sinnvoll durchsetzbar, würde von Hamilton nicht gebraucht und von Leclerc nicht akzeptiert.
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