George Russell sondiert laut Günther Steiner bereits Optionen außerhalb von Mercedes, und Audi könnte für 2028 zu einer realistischen Alternative werden, nachdem Kimi Antonelli das interne Kräfteverhältnis beim Werksteam deutlich verschoben hat.
Der frühere Haas-Teamchef sagte im Red Flags Podcast, Russell „schaut sich jetzt um“ und nannte Audi als möglichen Zielort für die Zeit ab 2028. Steiner verwies dabei auch auf das generelle Interesse im Fahrerlager: „Es gibt viel Interesse von Fahrern, 2028 zu Audi zu gehen.“ Über Russell sagte er: „Ich denke, George schaut sich jetzt auch um, da er weiß, dass er jetzt mit Kimi zusammen ist.“ Steiner fügte hinzu, Russell versuche deshalb, „neue Möglichkeiten zu finden“.
Der Hintergrund ist Antonellis Aufstieg bei Mercedes in dieser Saison. Russell gewann zwar das Auftaktrennen in Australien, doch sein 19-jähriger Teamkollege übernahm anschließend die Kontrolle über das teaminterne Duell. Antonelli steckte in Melbourne noch einen schweren FP3-Unfall weg und legte danach fünf Start-Ziel-Siege in Serie nach. Damit wurde er zum ersten Fahrer der Formel-1-Geschichte, der seine ersten fünf Pole-Positions jeweils in Grand-Prix-Siege umwandelte.
Spätestens seit seinem Sieg in Japan hat Antonelli auch die WM-Führung fest in der Hand. Mit 19 Jahren, 7 Monaten und 4 Tagen wurde er der jüngste Fahrer, der jemals die Formel-1-Weltmeisterschaft anführte. Vor der Sommerpause liegt er bei 219 Punkten, Russell bei 160.
Genau diese Entwicklung macht Steiners Einschätzung brisant. Wenn Russell bei Mercedes dauerhaft gegen Antonelli antreten muss und dabei im Titelkampf ins Hintertreffen gerät, könnte sich seine langfristige Perspektive im Team verändern.
Audi ist für Steiner dabei keine bloße Notlösung. Das neue Werksteam habe in seiner ersten Saison nach der Sauber-Übernahme „gute Fortschritte“ gemacht und wirke mit seinem Projekt „auf Kurs“. Trotz nur 12 Punkten stand das Team mit sechs elften Plätzen mehrfach knapp vor weiterem Zählbarem.
Ein Audi-Cockpit wäre für Russell aber keineswegs frei verfügbar. Steiner betonte, das Team sei „für nächstes Jahr ziemlich festgelegt“, und selbst für 2028 gebe es viele Interessenten. „Ich denke, es gäbe einige Kandidaten. Carlos auf jeden Fall“, sagte er mit Blick auf Carlos Sainz. Sollte Russell Mercedes tatsächlich eines Tages verlassen wollen, würde er also auch bei Audi nicht ohne Konkurrenz anklopfen.
Damit ist Antonellis Durchbruch nicht nur eine Mercedes-Erfolgsgeschichte, sondern auch ein Faktor, der Russells Marktwert und seine nächsten Karriereschritte neu einordnet, während Audi sich für 2028 als ernsthafte Option im Fahrermarkt positioniert.
© Jonathan Borba