George Russell sagt, sein Außenbahn-Manöver gegen Valtteri Bottas bei seinem spontanen Mercedes-Einsatz in Sakhir 2020 sei „entscheidend für meine Zukunft bei Mercedes“ gewesen.
Russell war damals noch Williams-Fahrer und Mercedes-Junior, als er beim vom Coronavirus beeinflussten Sakhir Grand Prix kurzfristig für Lewis Hamilton einsprang. Er qualifizierte sich auf Rang zwei hinter Bottas, führte den Großteil des Rennens und schien auf dem Weg zu einem Sensationssieg, bis ein später Boxenstopp alles veränderte: Mercedes montierte irrtümlich Bottas’ Reifen an Russells Auto. Russell fiel dadurch zurück, kämpfte sich aber wieder nach vorn und überholte Bottas außen in Kurve 7.
Genau dieses Duell sieht Russell heute als Schlüsselmoment. Gegenüber F1 sagte der Mercedes-Fahrer: „Ich denke, dieses Überholmanöver war entscheidend für meine Zukunft bei Mercedes.“ Zwar sei das Wochenende „nicht als direktes Duell zwischen Valtteri und mir aufgebaut“ worden, „aber jeder wusste, dass ich versucht habe, seinen Sitz zu übernehmen“. Als sich die Chance bot, habe er sie genutzt: „Als ich die Möglichkeit gesehen habe, außen vorbeizugehen, habe ich sie ergriffen.“
Gerade weil Russell das Rennen nicht gewann, blieb Sakhir für ihn ein Wochenende mit widersprüchlichen Gefühlen. Er sprach von „wirklich gemischten Emotionen“ und sagte, Mercedes hätte „ganz bequem ganz oben auf dem Podium stehen können“. Stattdessen machte ihm eine Verkettung von Problemen einen wahrscheinlichen Premierensieg zunichte. Russell verwies auf „das Safety Car, die falschen Reifen, den Plattfuß ... daher die Emotionen danach“.
Trotz des verpassten Erfolgs sieht er den Abend in Bahrain als Wendepunkt. Russell sagte, das Rennen habe ihm „die Möglichkeit gegeben, mich durchs Feld zu kämpfen, diesen Kampf mit Valtteri zu haben, und das hat mich dorthin geführt, wo ich heute stehe“. Bottas verließ Mercedes später, Russell rückte zur Saison 2022 ins Werksteam auf.
Diesen Karrierebogen verknüpft Russell auch mit seiner Beziehung zu Teamchef und CEO Toto Wolff. Vor dem Österreich-Grand-Prix-Wochenende sagte er, die beiden kennen sich „seit 12 Jahren“ und seien sich in den vergangenen Jahren sehr nahe gekommen. „Wir sind an den meisten Tagen zusammen, wenn wir wieder zu Hause sind“, sagte Russell. Auch privat gebe es enge Bindungen: „Carmen und ich haben ein sehr enges Verhältnis zu Susie und Toto.“
Russell ordnet Sakhir damit in eine längere gemeinsame Entwicklung ein. Er sagte, Wolff und er hätten „die Höhen und die Tiefen“ zusammen erlebt, von seinen Williams-Jahren und dem Versuch, „zu Mercedes zu kommen“, bis zu „vier Jahren relativen Misserfolgs“, in denen das Team nicht um die Weltmeisterschaft kämpfen konnte. Der Saisonauftakt 2026 in Melbourne mit dem Mercedes-Doppelsieg habe sich deshalb wie ein Signal angefühlt: „Wir sind zurück.“
Auch nach zuletzt schwierigen Rennen sieht Russell darin den größeren Zusammenhang. Er sagte, er habe mit Wolff darüber gesprochen, „was wir in den vergangenen vier Jahren durchgestanden haben“ und wie hart beide dafür gearbeitet hätten, Mercedes wieder „an die Spitze“ zu bringen. „Das macht mich wirklich stolz“, sagte er.
Sportlich ist die Ausgangslage nun eine andere als in den Jahren nach seinem Aufstieg. Nach sieben Runden liegt Russell mit 106 Punkten auf Platz drei der Fahrerwertung 2026, und seine Rückschau auf Sakhir zeigt, warum er diesen Einsatz heute nicht als verpassten Sieg, sondern als das Rennen betrachtet, das seine Mercedes-Zukunft erst möglich machte.
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