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Piastri warnt nach Leclerc-Kontakt vor Präzedenzfall

Oscar Piastri hat nach seiner Kollision mit Charles Leclerc in Spa kritisiert, dass die Rennkommissare keine Maßnahmen ergriffen haben, und gesagt, mindestens eine Schwarz-Weiß-Flagge wäre nach dem Zwischenfall in Les Combes angebracht gewesen.

Der McLaren-Pilot verlor bei dem Kontakt in Runde acht des 44-Runden-Rennens Teile an seinem Auto und wurde am Ende Fünfter. Aus seiner Sicht wiegt aber weniger das Ergebnis als die Signalwirkung der Entscheidung. Piastri sagte, er sei "auf der weißen Linie" gewesen und "eingequetscht" worden. Zugleich betonte er, beide hätten "sehr viel Glück" gehabt, dass es keinen größeren Unfall gegeben habe, weil sie sich "am Beginn der Bremszone" mit den Rädern berührt hätten.

Der Vorfall entstand im Kampf um Rang drei, als Piastri auf dem Weg nach Les Combes mit Overtake-Mode und viel Batterieleistung außen an Leclerc heranzog. Die Rennkommissare sahen danach zwar eine Untersuchung als nötig an, beließen es aber bei keiner weiteren Maßnahme. In ihrer Begründung hieß es, Auto 81 habe zwar "eine gewisse Überlappung" mit Auto 16 gehabt, doch die Vorderachse von Piastris McLaren sei nicht vor der Vorderachse von Leclercs Ferrari gewesen. Deshalb habe "keine realistische Möglichkeit" bestanden, das Überholmanöver aus dieser Position abzuschließen.

Piastri wollte das Urteil nicht komplett verwerfen, hielt die Entscheidung aber für zu milde. "Ich sage nicht, dass es zwingend eine Strafe sein musste, aber zumindest eine Schwarz-Weiß-Flagge oder so etwas", sagte er. Gerade das beunruhigt ihn mit Blick auf künftige Zweikämpfe: "Wenn wir denken, dass das okay ist, dann ist es das eine, solche Berührungen zu haben. Aber allein der Anreiz zu wissen, dass man allen den absolut minimalen Platz lassen und damit davonkommen kann, ist kein schöner Zustand."

Seine Verärgerung wurde auch dadurch verstärkt, dass dieselbe Kurve zuvor bereits zu einer Fünf-Sekunden-Strafe gegen Lewis Hamilton nach dessen Startunfall mit George Russell geführt hatte. Entsprechend gab es im Fahrerlager die Erwartung, dass Leclerc zumindest eine mildere Sanktion erhalten könnte.

Sportlich hatte der Kontakt klare Folgen für McLaren. Piastri kam zum Nasenwechsel an die Box, und Teamchef Andrea Stella erklärte, der Schaden habe je nach Zustand zwischen fünf und zehn Punkten Abtrieb gekostet. Stella bezifferte den Verlust zudem auf etwa zwei bis drei Zehntel pro Runde, weil Piastri die Reifen stärker beanspruchen musste und die Abnutzung über die Stints zunahm.

Piastri sagte, der Schaden sei im ersten Stint "ein großer Faktor" gewesen. Er habe "ziemlich viel Abtrieb" verloren, was auch die Balance des Autos stark verändert habe, sodass er bis zu den Anpassungen am Frontflügel deutlich mehr kämpfen musste. Damit wurde aus einem Vorfall im Kampf um Platz drei für ihn nicht nur ein beschädigtes Rennen, sondern vor allem eine Debatte darüber, wie viel Platz ein verteidigender Fahrer in solchen Duellen künftig tatsächlich lassen muss.