Der Madring hat seinen ersten offiziellen Formel-3-Test 18 Tage vor dem Formel-1-Debüt zwar als einsatzbereite Rennstrecke bestanden, doch Staub, Sand und extrem niedriger Grip sorgten am ersten Tag für neun rote Flaggen. Damit fiel die Generalprobe für den Spanien-GP vom 11. bis 13. September deutlich unruhiger aus, als es der äußerlich weit fortgeschrittene Zustand des neuen Stadtkurses vermuten ließ.
30 Formel-3-Autos aus zehn Teams waren an zwei Testtagen jeweils sechs Stunden auf dem 5,416 Kilometer langen Kurs mit 22 Kurven unterwegs. Die FIA nutzte den Einsatz am IFEMA-Gelände, an dem die Formel 1 erstmals in Madrid fahren wird, um Strecke und Abläufe vor dem Grand Prix unter Rennbedingungen zu prüfen. Formel 3 bestreitet dort später auch ihr Saisonfinale.
Die Strecke selbst hinterließ dabei einen überzeugenden Eindruck. Asphalt, Kerbs, Streckenbegrenzungen und Sicherheitsvorkehrungen befanden sich laut den Berichten in sehr gutem Zustand. Die Fahrer konnten die Kerbs aggressiv überfahren und die volle Asphaltbreite nutzen. Auch die Streckenposten standen bereit, um nach Zwischenfällen einzugreifen.
Das Problem lag vor allem auf der Oberfläche. Wind wehte wiederholt Schmutz und Staub von den noch laufenden Bauarbeiten rund um den Kurs auf den Asphalt. Gerade in den nördlichen Abschnitten lagen Baustellen sehr nah an der Strecke. Der geringe Grip erschwerte es den Nachwuchsfahrern, verlässliche Bremspunkte und die anspruchsvollen Kurvenkombinationen zu finden.
Am Montag häuften sich die Kontakte mit den Mauern des Stadtkurses. Maciej Gladysz verunfallte in Kurve 5, Freddie Slater berührte die Mauer in Kurve 10 und Bruno del Pino hatte in Kurve 12 einen Zwischenfall. Christian Ho schlug in Kurve 18 ein, während Fernando Barrichello und Jin Nakamura ihre Fahrten nach Mauerkontakt in Kurve 17 beenden mussten. Del Pino hob insbesondere die enge Passage zwischen Kurve 4 und 5 vor dem Tunnel in Richtung Cárcavas als kritischen Abschnitt hervor.
Slater setzte trotz seines eigenen Kontakts die Bestzeit des ersten Tages. Der Audi-Junior fuhr 1:50,343 Minuten und steigerte sich am Dienstag auf 1:49,685 Minuten. Damit lag er knapp eine Zehntelsekunde vor seinem direkten Titelrivalen Ugo Ugochukwu. Der zweite Testtag verlief bei den Unfällen ruhiger, wurde jedoch ebenfalls durch technische Defekte unterbrochen: Fionn McLaughlin und Matteo De Palo blieben auf der Strecke stehen, Mattia Colnaghi verlor in Kurve 7 seinen Frontflügel, erreichte aber noch die Box.
Bis zum Formel-1-Wochenende bleiben vor allem Arbeiten an Präsentation und Infrastruktur. Eine Tribüne, Teile der Zufahrten, einzelne Boxen und die Village Zone waren noch nicht vollständig fertig. Auf der Start-Ziel-Geraden waren die Grid-Markierungen bereits aufgebracht und ein Startablauf wurde geprobt, doch die Startampel fehlte noch, ebenso einige Linien auf dem Asphalt. Für die Formel 1 gilt die Rennstrecke selbst damit als bereit, während der Veranstaltungsbereich in den verbleibenden Tagen noch fertiggestellt werden muss.
© Jonathan Borba