© Jonathan Borba

Jos Verstappen: Feuerstopp änderte F1-Sicherheit

Anzeige

Beim Deutschland-GP 1994 in Hockenheim ging Jos Verstappens Benetton bei einem Routine-Boxenstopp in Flammen auf. Was wie ein Defekt beim Nachtanken aussah, führte nach den Ermittlungen der FIA zu einer viel größeren Frage über Sicherheit und technische Manipulationen in der Formel 1.

Verstappen kam nach 15 von 45 Runden zum Nachtanken an die Box. Als die Intertechnique-Tankdüse angeschlossen wurde, sprühte Kraftstoff unter hohem Druck auf die heiße Karosserie und die Hinterradbremsen des Wagens. Innerhalb von Sekunden verwandelte sich der Benetton in einen Feuerball. Der Brand war zwar schnell gelöscht, doch Verstappen erlitt leichte Verbrennungen an der Nase und um die Augen, weil sein Visier leicht geöffnet war. Auch mehrere Mechaniker wurden verletzt, allerdings nicht schwer.

Jos Verstappen sagte rückblickend: „Du sitzt im Auto, und plötzlich steht alles in Flammen, während du eigentlich nichts tun kannst. Du gerätst in Panik.“ Über die Reaktion des Teams sagte er auch: „Ich muss sagen, das Team hatte die Situation sehr schnell unter Kontrolle. Nach ein paar Sekunden war das Feuer schon wieder aus.“

Die eigentliche Brisanz kam erst mit der FIA-Untersuchung. Der Verband stellte fest, dass Benetton einen Sicherheitsfilter aus dem Tanksystem entfernt hatte. Dadurch stieg die Durchflussmenge um etwa 12,5 Prozent, was dem Team bei einem Stopp ungefähr eine Sekunde sparen konnte. Nach Darstellung der FIA konnte ohne diesen Filter ein Fremdkörper das Ventil blockieren. Es schloss dann nicht mehr richtig, sodass Kraftstoff unkontrolliert austrat.

Benetton wurde dafür bestraft, bestritt aber, dass das Entfernen des Filters die direkte Ursache des Brandes gewesen sei. Unabhängig von dieser Einordnung veränderte der Vorfall die Regeln. Die Tankschläuche wurden mit Fail-safe-Abschaltsystemen ausgerüstet, die den Kraftstofffluss bei einer Störung sofort unterbrechen. Feuerfeste Schutzkleidung und verbessertes Kopfschutzmaterial wurden für alle Mitglieder der Boxencrew Pflicht. Dazu schrieb die FIA vor, dass Tanksysteme nur noch in offiziell genehmigter Standardkonfiguration eingesetzt werden durften und kontrollierte Änderungen strenger.

Damit wurde aus einem wenige Sekunden langen Boxenbrand ein Wendepunkt für die Sicherheit beim Nachtanken in der Formel 1.

Anzeige