Lewis Hamilton sagt, sein erster Formel-1-Sieg in Kanada 2007 sei erst möglich geworden, nachdem er McLaren zu gleichen Spritbedingungen mit Fernando Alonso gedrängt hatte. Als er diese Chance in Montreal bekam, holte er die Pole mit 0,456 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen und verwandelte sie in seinen ersten Grand-Prix-Sieg.
Hamilton schilderte das Rennen damit als mehr als nur seinen ersten Erfolg in der Formel 1. Aus seiner Sicht war es der Moment, in dem er intern beweisen konnte, dass er den damaligen Doppelweltmeister Alonso unter identischen Voraussetzungen schlagen konnte. Im Gespräch mit Medien, darunter RacingNews365, sagte Hamilton beim Montreal-Wochenende 2026: „Ich habe sehr darauf gedrängt, dass wir gleich viel Sprit bekommen. Ich habe gesagt: ,Gebt mir einfach eine Chance, und ich werde zeigen, was ich kann.‘ In diesem Rennen haben sie uns den gleichen Sprit gegeben, und ich habe die Pole geholt und dann gewonnen. Danach haben sie es in Indianapolis wieder so gemacht.“
Der Hintergrund war die besondere Situation seiner Rookie-Saison bei McLaren. Hamilton kam 2007 als Neuling in die Formel 1, Alonso als amtierender Weltmeister nach zwei Titeln in Folge. Weil die Autos damals vor Q3 für den ersten Rennstint betankt wurden, hatte die Spritmenge direkten Einfluss auf die Qualifying-Performance. Hamilton sagte, in den ersten fünf Rennen habe Alonso üblicherweise die leichtere Tankfüllung erhalten, oft mit einem Strategieunterschied von etwa zwei Runden.
Das habe den teaminternen Kampf aus seiner Sicht deutlich erschwert. Hamilton sagte, er habe das Gefühl gehabt, „doppelt so hart“ arbeiten zu müssen, wenn nicht noch mehr, und mindestens ein Zehntel pro Runde schneller sein zu müssen, um vor Alonso zu bleiben. Er beschrieb die Anfangsphase so: „Als Rookie gegen einen Weltmeister anzutreten, war hart. Fernando war so talentiert und so schnell. Aber ich bin extrem wettbewerbsorientiert. Ich konnte nie akzeptieren, einfach nur mit Platz zwei zufrieden zu sein. Ich wollte mich immer fordern, ich wollte kämpfen und ich wollte gewinnen.“
Vollständig belegen lässt sich Hamiltons Darstellung heute nicht, weil die Tankdaten jener Zeit nicht öffentlich waren. Die Boxenstopp-Muster stützen seine Version aber zumindest weitgehend. In Australien, Malaysia, Spanien und Monaco stoppte Hamilton später als Alonso, was auf mehr Sprit an Bord hindeutet. Bahrain war offenbar eine mögliche Ausnahme, was Hamiltons grundsätzliche Schilderung jedoch nicht widerlegt.
Montreal markierte damit den Durchbruch. Hamilton war damals erst zu seinem sechsten Formel-1-Rennen angetreten und hatte seine Karriere mit fünf Podien in den ersten fünf Grands Prix eröffnet. Der Kanada-Sieg war für ihn deshalb auch die Bestätigung, dass sein Drängen innerhalb des Teams gerechtfertigt gewesen war. „Das war ein ganz besonderer Moment für mich, weil ich für etwas gekämpft hatte, woran ich wirklich geglaubt habe“, sagte er. „Und als ich diese Gelegenheit bekam, habe ich diesen Glauben bestätigt. Der Rest ist Geschichte.“
Genau so wird Kanada 2007 heute auch eingeordnet: als Wendepunkt in Hamiltons Karriere. Den Titel verpasste er in seiner Debütsaison zwar nur knapp, 2008 holte er dann seine erste Weltmeisterschaft. Inzwischen steht er bei 105 Grand-Prix-Siegen.
© Morio