Die FIA überprüft nach Red Bulls Einspruch ihre überraschende ADUO-Einstufung, die Red Bull Powertrains nach den ersten fünf Rennen 2026 als Maßstab beim Verbrennungsmotor führt und damit ausgerechnet Mercedes zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.
Die Bewertung wurde den fünf Power-Unit-Herstellern am Sonntagmorgen des Monaco-Grand-Prix übermittelt, eine öffentliche Mitteilung steht aber weiter aus. Nach den bislang bekannt gewordenen Ergebnissen liegt Mercedes beim Internal Combustion Engine mehr als zwei Prozent hinter Red Bull Powertrains und wäre damit für ein Upgrade 2026 sowie ein weiteres 2027 qualifiziert. Ferrari, Audi und Honda wurden demnach als mehr als vier Prozent zurückliegend eingestuft und würden jeweils zwei Upgrades erhalten. Red Bull selbst ginge als Referenzmotor leer aus.
Genau das hat im Fahrerlager von Barcelona für den größten Widerspruch gesorgt. Mercedes hat alle bisherigen Saisonrennen gewonnen, trotzdem soll nicht der Mercedes-Verbrenner, sondern der Red-Bull-Ford-Antrieb die Benchmark sein. Red Bull reagierte darauf mit einer Bitte an die FIA, die Datengrundlage und die Methodik offenzulegen.
Max Verstappen, Red-Bull-Fahrer, sagte am Donnerstag in Barcelona: „Wir waren alle ein bisschen überrascht von dieser Nachricht.“ Deshalb spreche das Team nun mit der FIA, „um zu sehen, was da passiert ist und wie sie zu diesem Schluss gekommen sind“.
Nach Angaben der FIA begann die Überprüfung in Barcelona bereits am Montag. Alle Sensoren und Daten werden noch einmal kontrolliert, der Vorgang soll sieben bis zehn Tage dauern. Die Prüfung gilt dabei als Verifikation der ursprünglichen Ergebnisse, nicht automatisch als komplette Neubewertung.
Im Zentrum der Debatte steht die Konstruktion des ADUO-Systems selbst. Für die Einstufung zählt nur die Leistung des Verbrennungsmotors, nicht die komplette Power Unit. Gleichzeitig dürfen Hersteller, die ADUO-Freiräume erhalten, ihre Upgrades nicht auf den Verbrenner beschränken, sondern auch elektrische Komponenten wie Batterie oder MGU-K weiterentwickeln.
FIA-Single-Seater-Direktor Nikolas Tombazis hatte schon im April erklärt, dass die Hersteller eine einfach gehaltene Messmethode bevorzugt hätten. Die FIA habe angeboten, weitere Faktoren wie Turbodruck, Turbogröße oder Plenumtemperatur einzubeziehen. Die einhellige Position der Motorenhersteller sei damals aber gewesen, bei der aktuellen Leistungsbewertung des Verbrenners zu bleiben.
Für Mercedes macht genau das die Sache sportlich besonders heikel. Teamchef Toto Wolff begrüßte in Barcelona die zusätzlichen Homologationsmöglichkeiten offen. Eine neue Homologation sei „definitiv etwas, das hilfreich ist“, sagte er, denn ohne diese Möglichkeit bestehe „eine echte Gefahr, dass dich jemand überholt, der genau das umsetzen kann“.
Wolff verteidigte zugleich die Arbeitsweise der FIA. Im Gespräch mit Nikolas Tombazis gehe es aus seiner Sicht um gemessene und gesammelte Daten, nicht um Politik oder Bevorzugung. Damit stellt sich Mercedes hinter das Verfahren, von dem das Team nun profitiert, auch wenn gerade dieses Verfahren wegen des Red-Bull-Rankings erneut unter Druck geraten ist.
Die Brisanz liegt damit weniger in der Frage, ob Red Bull tatsächlich den stärksten Verbrenner gebaut hat, sondern darin, dass die dominante Mannschaft der Saison durch das ADUO-System zusätzlichen Spielraum erhalten könnte, während Red Bull als eingestufte Referenz vorerst blockiert wäre.
© Jonathan Borba