Pierre Gasly ist nachträglich wieder auf Rang drei des Grand Prix von Monaco gesetzt worden, nachdem Alpine die beiden Fünf-Sekunden-Strafen wegen angeblicher Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Boxengasse erfolgreich kippen ließ.
Der Kern des Falls lag in der offiziellen Zeitmessung. Die Monaco-Stewards akzeptierten Alpines Antrag auf Überprüfung, nachdem FOM als offizieller Zeitnahmelieferant Belege vorgelegt hatte, dass die zur Berechnung der offiziellen F1-Zeit und damit der Boxengassengeschwindigkeit verwendete Distanz „ungenau war und die Geschwindigkeit“ von Gaslys Auto „überschätzt hat“. In ihrer abschließenden Bewertung kamen die Stewards zum Ergebnis, dass Auto 10 das Limit von 60 km/h nicht überschritten hatte.
Gasly hatte das Rennen in Monaco eigentlich als Dritter auf der Strecke beendet, war dann aber durch zwei Strafen für gemessene 60,1 und 60,4 km/h auf Platz sieben zurückgefallen. Alpine legte daraufhin innerhalb der Frist nach Artikel 14 des International Sporting Code der FIA den Right of Review ein.
Für Gasly endet damit ein besonders schmerzhafter Rückschlag doch noch mit dem ersehnten Podium. Vor der Entscheidung hatte Pierre Gasly, Alpine-Pilot, den Verlust des Ergebnisses als „den schwersten Tag, den ich je in der Formel 1 und in meiner sportlichen Karriere hatte“ beschrieben. Er nannte den verpassten Monaco-Podestplatz „definitiv den härtesten, härtesten Moment“ und verwies darauf, wie selten sich für ihn und Alpine eine solche Chance bietet: „vielleicht einmal im Jahr, vielleicht einmal in zwei Jahren“.
Die nachträgliche Korrektur verändert das Klassement hinter den beiden Spitzenplätzen deutlich. Isack Hadjar verliert den zuvor geerbten Podiumsplatz und fällt auf Rang vier zurück. Oscar Piastri rutscht auf Platz fünf ab, Liam Lawson und Arvid Lindblad werden auf die Positionen sechs und sieben zurückgestuft.
Der Fall ist damit aber nicht abgeschlossen. McLaren und Red Bull haben innerhalb des einstündigen Zeitfensters bereits ihre Absicht hinterlegt, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Gleichzeitig prüft Mercedes nach Angaben von Teamchef Toto Wolff mögliche rechtliche Schritte im Fall George Russell, dessen Monaco-Rennen nach einer Fünf-Sekunden-Strafe wegen Boxengassen-Tempos endgültig entgleiste, als aus der Sanktion eine Durchfahrtsstrafe wurde, weil Mercedes sie nicht korrekt absaß.
Damit reicht der Fall inzwischen weit über Gaslys zurückgewonnenes Podium hinaus. Die FIA muss sich nun nicht nur mit den angekündigten Berufungen befassen, sondern auch mit den Folgen eines Verfahrens, das das Monaco-Ergebnis Tage nach dem Rennen verändert und neue Fragen zum Umgang mit den Boxengassenstrafen aufgeworfen hat.
© Jonathan Borba