Ferrari hat zum Grand Prix von Spanien das bislang größte Aerodynamik-Upgrade seiner Saison gebracht. Im Zentrum stehen ein tiefgreifend überarbeiteter Frontflügel und ein modifizierter Unterboden, mit denen die Scuderia die Balanceprobleme des SF-26 beheben und den Rückstand auf Mercedes verkleinern will.
Der Schritt ist auch deshalb brisant, weil Lewis Hamilton das Thema Frontflügel bereits selbst angesprochen hatte. In einem am 10. Juni 2026 zitierten Kommentar sagte der Ferrari-Pilot: „Mercedes, McLaren und Red Bull machen mit dem Frontflügel etwas anders als wir. Ich weiß nicht, ob der Abstand unbedingt dort liegt, aber ich frage mich, welche Wirkung das hat, weil die anderen es zu haben scheinen und sich verbessert haben.“ In Barcelona steht nun genau dieser Bereich im Mittelpunkt.
Ferraris neue Spezifikation geht laut den Berichten deutlich weiter als das leichtere Update aus Miami. Am Frontflügel wurden demnach „fast alle Komponenten“ verändert. Das seitliche Element fällt kürzer und komplexer aus als in der Florida-Version und trägt nun ein neues horizontales Leitblech. Dazu kommt am Ende der Fußplatte ein kompakterer Strömungsabweiser, der direkt auf die Balanceprobleme zielt, die die Leistung der Scuderia seit Saisonbeginn belastet haben.
Entscheidend ist aber nicht nur die sichtbare Form des Flügels, sondern auch seine Lastverteilung. Ferrari hat den inneren Bereich unter der Nase entlastet und die Profiltiefe im mittleren Abschnitt erhöht, bevor sie zum äußeren Bereich hin wieder abnimmt. Das technische Ziel ist ein stärkerer Outwash-Effekt: Die Luft soll energiereicher an den Vorderreifen vorbeigeführt werden, um deren Verwirbelungen nach außen abzuleiten und zugleich sauberere Strömung in Richtung T-Tray und Venturi-Kanäle des Bodens zu schicken.
Auch unter dem Flügel selbst steckt ein wesentlicher Teil der Neuerungen. Die Berichte beschreiben dort ausgearbeitete Kanäle, die an frühere Venturi-Prinzipien erinnern und lokal Abtrieb erzeugen sollen, während sie den Luftstrom zusätzlich aktivieren. Ferrari folgt damit einer Richtung, die andere Spitzenteams am Vorderwagen bereits eingeschlagen haben, versucht sie aber mit einer deutlich aggressiveren eigenen Ausführung auf den SF-26 zu übertragen.
Mindestens ebenso wichtig ist der Umbau des Unterbodens. Vor allem vor den Hinterrädern wurde der Boden überarbeitet, mit Einschnitten im Unterboden und schräg angelegten quer verlaufenden Aussparungen. Sie sollen Wirbel erzeugen, die entlang der inneren Reifenflanke eine Art Abdichtungswand bilden. So will Ferrari verhindern, dass die Turbulenzen der Hinterräder in den Diffusor eindringen und dessen Arbeitsfenster stören.
Ein Aerodynamiker erklärte F1i den Ansatz so: „Wenn es diese Einkerbungen im Unterboden nicht gäbe, würde ein großer Wirbel auf den Reifen treffen, was nicht besonders günstig wäre. Was wir mit diesen Einschnitten versuchen, ist, den Wirbel nach innen zurückzuführen, um die Turbulenzen vom Reifenrand einzufangen, die dazu neigen, in den Diffusor einzudringen. Mit diesen Einkerbungen konnten wir einen starken Wirbel lenken, um den Diffusor abzudichten.“
Barcelona ist für Ferrari damit mehr als nur die siebte Station der Saison. Die Strecke gilt traditionell als besonders aussagekräftiger Prüfstand für neue Teile, und das Team hatte bereits in Miami den ersten größeren Entwicklungsschritt gebracht. Dort fielen die Resultate laut AutoRacer „größtenteils“ wie erwartet aus, auch wenn die Heckflügel-Konfiguration nicht alle Hoffnungen erfüllte und Defizite offenblieben.
Der Druck ist entsprechend hoch. Ein Bericht beziffert Ferraris Rückstand auf Mercedes in der Meisterschaft auf 79 Punkte, ein anderer beschreibt die Silberpfeile als den Maßstab, den Ferrari in dieser frühen Phase des Reglement-Zyklus wieder auf Augenhöhe erreichen will. Genau deshalb wird das Barcelona-Paket zum echten Test, ob der SF-26 mit seinem neuen Aero-Konzept sein Potenzial endlich freilegen und den Leistungsabstand zu Mercedes spürbar verkleinern kann.
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