© Jonathan Borba

Domenicali plant F1-Kalender 2027 mit Ausweichplan

Anzeige

Die Formel 1 will ihren Kalender für 2027 zunächst als normalen Saisonplan veröffentlichen, hält wegen der weiter unsicheren Lage im Nahen Osten aber bereits konkrete Ausweichszenarien bereit, um ihr Ziel von 24 Rennen notfalls dennoch zu erreichen.

Stefano Domenicali, CEO der Formel 1, sagte, der Kalender werde „in naher Zukunft“ erscheinen und zunächst „eine Art normaler Plan“ sein. Zugleich machte er klar, dass die Serie für den Fall einer anhaltend instabilen Lage vorbereitet ist. „Aber wenn die Situation im Nahen Osten nicht gelöst sein sollte, haben wir natürlich Optionen und einen anderen Plan“, sagte Domenicali. Die Formel 1 habe „verschiedene Pläne mit verschiedenen verfügbaren“ beziehungsweise „einsatzbereiten Optionen“, um den Rennkalender anzupassen.

Damit richtet sich der Blick nicht mehr nur auf 2026. Bahrain und Saudi-Arabien dürften 2027 zwar erneut für das Frühjahr vorgesehen sein, doch Domenicali räumte ein, dass die Formel 1 auch für diese Termine wieder umplanen müsste, falls sich die politische Lage in der Region nicht ausreichend verbessert.

Wie konkret diese Vorsorge inzwischen ist, zeigt bereits der diesjährige Eingriff in den Ablauf für 2026: Der Grand Prix von Bahrain wurde rund 6.000 Kilometer entfernt nach Malaysia verlegt. Für den Fall, dass auch die beiden letzten Nahost-Rennen in Katar und Abu Dhabi nicht stattfinden können, würde die Saison nach Domenicalis Angaben in Europa enden.

Eine endgültige Entscheidung über weitere Anpassungen will die Formel 1 aber noch nicht sofort treffen. Domenicali sagte, man warte bei Katar und Abu Dhabi noch bis Mitte September ab, also bis etwa zweieinhalb Monate vor den geplanten Rennen. Hintergrund ist auch die Erfahrung aus 2026, als die Absagen für Bahrain und Saudi-Arabien erst rund einen Monat vor den Veranstaltungen kamen. Diesen späten Eingriff will die Serie im kommenden Jahr möglichst vermeiden. „Der Auslöser liegt am Ende des Jahres“, sagte Domenicali. „Deshalb haben wir noch viel Zeit für Anpassungen.“

Genau dort beginnt jedoch das praktische Problem eines Notfallplans. Ex-Haas-Teamchef Guenther Steiner sagte im Red Flags Podcast, ein Saisonfinale in Europa wäre „ein Risiko“. Es gebe nur wenige Strecken, die ein solches Rennen kurzfristig stemmen könnten. Vor allem aber sei der Zeitpunkt heikel. „In Europa ergibt es im November und Dezember keinen Sinn zu fahren“, sagte Steiner. „Das Wetterrisiko ist zu hoch.“ Er verwies auch auf die wirtschaftliche Seite: Ein zusätzlicher Austragungsort müsse für die Teams finanziell Sinn ergeben, damit sie nicht nur Geld verlieren.

Für die Formel 1 bedeutet das, dass ihr 2027er Kalender selbst dann, wenn er zunächst wie gewohnt erscheint, erneut von Ersatzlösungen abhängen könnte. Der sportliche und logistische Spielraum bleibt eng, falls die Rennen im Nahen Osten auch über 2026 hinaus nicht verlässlich planbar sind.

Anzeige