Aston Martin hat vor dem Grand Prix der Niederlande den Einstieg von Robert Wood Johnson in sein Formel-1-Team bestätigt: Der US-Investor hat einen strategischen Minderheitsanteil übernommen und ist mit sofortiger Wirkung als stellvertretender Vorsitzender in den Vorstand eingetreten, ohne eine Rolle im operativen Tagesgeschäft zu übernehmen.
Der Rennstall verknüpft den Schritt klar mit seinem kommerziellen Ausbau, vor allem in den Vereinigten Staaten. Aston Martin erklärte, Johnsons Fokus werde darauf liegen, das geschäftliche Wachstum des Teams zu unterstützen, insbesondere auf dem US-Markt. Zugleich stellte das Team klar, dass Johnson „keine Aufgaben im täglichen Management“ übernehmen werde. Die Kontrolle bleibt bei Lawrence Stroll, der als Executive Chairman und Mehrheitsgesellschafter das Unternehmen weiter führt.
Dass Aston Martin diesen Schritt ausgerechnet an einem sportlich schwierigen Punkt setzt, macht die Personalie besonders relevant. Nach einer schwachen ersten Saisonhälfte liegt das Team laut einer der vorliegenden Angaben auf Rang zehn der Konstrukteurswertung, wodurch das Niederlande-Wochenende in Zandvoort zusätzliche Bedeutung bekommt.
Johnson bringt dafür ein Profil mit, das weniger auf die Rennstrecke als auf Reichweite und Vermarktung zielt. Er ist Eigentümer der New York Jets, die er im Jahr 2000 für 635 Millionen US-Dollar kaufte, war von 2017 bis 2021 US-Botschafter im Vereinigten Königreich und stieg im vergangenen Jahr mit 43 Prozent bei Crystal Palace ein.
Lawrence Stroll, Executive Chairman von Aston Martin, sagte in der Mitteilung des Teams: „Ich freue mich sehr, Woody in der Aston-Martin-Familie willkommen zu heißen. Seine Erfahrung, seine Leidenschaft und sein Investment stärken unsere Position weiter, während wir in die nächste Phase unserer Wettbewerbsreise eintreten.“ Johnsons „Engagement für Innovation und kommerzielle Chancen“ mache ihn „zu einem idealen Partner, wenn wir nach vorne blicken“, fügte Stroll hinzu.
Johnson stellte seinen Einstieg ebenfalls als Verbindung von sportlichem Anspruch und Marktwachstum dar. „Ich freue mich sehr darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten und zur fortlaufenden Entwicklung des Teams beizutragen, mit dem Ehrgeiz, eine Organisation aufzubauen, die auf dem allerhöchsten Niveau des Sports mithalten kann“, sagte Robert Wood Johnson. „Uns verbindet zudem das gemeinsame Engagement, die Fanbasis in den Vereinigten Staaten zu vergrößern und noch mehr Fans an die Faszination der Formel 1 heranzuführen.“
Für Aston Martin bedeutet der Deal damit vor allem eines: In einer Phase, in der die Ergebnisse auf der Strecke unter Druck stehen, setzt das Team beim nächsten Schritt nicht auf einen Führungswechsel im Rennbetrieb, sondern auf stärkere kommerzielle Schlagkraft in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Formel 1.
© Jonathan Borba