Kimi Antonelli hat den Belgien-Grand-Prix in Spa gewonnen, nachdem er Charles Leclerc in Runde 34 wieder überholt hatte. Erst nach dem Rennen wurde aber sichtbar, wie sehr Mercedes unter dem Druck des Ferrari reagieren musste: Antonelli sagte Leclerc, dass er seine Energieabgabe ändern musste, um überhaupt eine Antwort auf die Attacken hinter sich zu haben.
Die entscheidende Wendung kam durch die zweite Virtual-Safety-Car-Phase wegen Trümmerteilen in Runde 20. Leclerc nutzte die Neutralisierung für seinen Stopp, kam vor Antonelli wieder heraus und brachte sich damit in eine echte Siegposition. Ferrari profitierte laut Leclerc davon, doch Mercedes hatte im weiteren Verlauf das schnellere Auto. Antonelli schloss die Lücke, ging auf der Kemmel-Geraden vorbei und gewann mit 1,9 Sekunden Vorsprung.
Damit war das Duell aber nicht erledigt. Leclerc blieb auch nach dem Verlust der Führung mehrere Runden im Windschatten und zwang Antonelli sowie das Mercedes-Team in Brackley dazu, die volle Leistungseinheit taktisch auszureizen. Im Gespräch im Retropodio erklärte Antonelli Charles Leclerc, Ferrari-Pilot, direkt: „Als du hinter mir warst, musste ich mein Deployment ändern.“ Leclerc antwortete: „Ah ja, das habe ich gesehen, weil du vor der letzten Kurve immer ein bisschen wegziehen konntest.“ Danach fügte er an: „Und dann hast du in Kurve 18 die Bremsen wie ein Verrückter gelöst, um mich aus dem Overtake-Mode zu bringen.“
Gerade dieser Austausch zeigte, was den Schlussstint geprägt hatte: nicht nur rohe Pace, sondern ein ungewöhnliches und schwer lesbares Energiemanagement. Leclerc brachte es selbst auf den Punkt: „Das Deployment war so anders, das ist so nervig.“ Auch in der Unterhaltung unter den Top 3 wurde deutlich, dass die Fahrer diese Art des Power-Managements nicht besonders schätzen, weil sie selbst im Cockpit schwer vorhersehbar ist.
Leclerc machte nach dem Rennen keinen Hehl daraus, dass Ferrari ohne die VSC nicht in dieser Lage gewesen wäre. Er sagte, Ferrari sei „glücklich mit der Virtual Safety Car“ gewesen und betonte zugleich: „Ich habe bis zum Ende an den Sieg geglaubt.“ Dazu passte seine Einschätzung des Rennens, in dem er auf den harten Reifen zunächst fünf oder sechs schwierige Runden mit der Vorderachse hatte, bevor sich das Gefühl wieder besserte. Für Ferrari war das trotz der verpassten Siegchance ein Fortschritt an einem Wochenende, an dem das Team eher Probleme erwartet hatte.
Für Antonelli war der Sieg sportlich besonders wichtig. Es war sein sechster Erfolg in den ersten zehn Saisonrennen und eine Antwort auf zuletzt schwierigere Resultate. Dass er die Führung erst durch die VSC verlor, Leclerc wieder einfangen musste und anschließend selbst unter Dauerdruck keinen Fehler machte, stärkte seine Position im Titelkampf. Ferrari nahm zugleich ein unerwartet starkes Ergebnis mit: 30 Punkte durch Leclercs zweiten Platz und Lewis Hamiltons vierten Rang.
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