George Russell hat sich beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone trotz eines schleichenden Plattfußes und eines zusätzlichen Boxenstopps noch auf Platz zwei zurückgekämpft und den WM-Vorsprung von Mercedes-Teamkollege Andrea Kimi Antonelli auf 25 Punkte reduziert. Trotzdem machte der Brite nach dem Rennen klar, dass ihm das eigentliche Leistungsniveau des Wochenendes weit mehr Sorgen bereitet als das Ergebnis beruhigt.
Russell war in einem engen Kampf mit Max Verstappen und Lewis Hamilton um Platz drei, als Mercedes ihn um Runde 33 vor dem schleichenden Plattfuß warnte. Wenige Runden später musste er an die Box und fiel auf Rang sieben zurück. Damit schien selbst ein Podium außer Reichweite. Russell sagte danach, Platz drei wäre "wahrscheinlich ein verdientes Ergebnis hinter Kimi und Charles" gewesen.
Dass daraus noch Rang zwei wurde, lag an einer späten Kette von Wendungen vor ihm. Antonelli verlor nach einem Problem mit der Radverkleidung den Anschluss und wurde nach einer Fünf-Sekunden-Strafe wegen Track Limits nur 16. Verstappen schied spät aus, was das Safety Car auslöste. Russell blieb draußen, während Lewis Hamilton stoppte, und rückte so hinter Sieger Charles Leclerc auf den zweiten Platz vor. Das Rennen wurde nicht mehr freigegeben.
Russell sagte, nach dem Reifenschaden hätte er ein solches Ergebnis nicht mehr für möglich gehalten. "Wenn man mir gesagt hätte, dass ich als Zweiter ins Ziel komme, hätte ich gesagt: keine Chance", erklärte der Mercedes-Fahrer. Umso dankbarer sei er für das Podium gewesen.
Die ungewöhnliche Aufholjagd änderte aber nichts an seiner Einschätzung des Wochenendes. Russell sprach von einem sehr schwierigen Verlauf und sagte, bei Mercedes gebe es "viele Dinge an diesem Wochenende, die wir nicht wirklich verstehen". In deutlicher Form fügte er hinzu: "Wenn ich brutal ehrlich bin, werde ich nicht um eine Meisterschaft kämpfen, wenn die Leistungen so weitergehen."
Genau darin liegt die Spannung dieses Resultats. Silverstone brachte Russell 18 Punkte mehr als Antonelli ein und setzte im Titelkampf einen spürbaren Konter. Nach Monaco hatte sein Rückstand noch 68 Punkte betragen, nach neun Rennen liegt Antonelli nun bei 179 Zählern und Russell bei 154. Russell selbst bremste die Euphorie jedoch sofort und räumte ein, sein Teamkollege habe "dieses Jahr bisher den besseren Job gemacht". Ein Rückstand irgendwo im Bereich von 10 bis 30 Punkten sei "wahrscheinlich fair".
So hielt Silverstone Russells Titelhoffnung am Leben, auch wenn sein eigenes Fazit härter ausfiel als das Podium vermuten lässt: Das Ergebnis war stark, die zugrunde liegende Performance aus seiner Sicht nicht.
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