Nach dem Blue-Flag-Chaos beim Grand Prix von Ungarn haben Toto Wolff und David Coulthard klargemacht, dass der Ausfall des FIA-Systems für sie keine ausreichende Entschuldigung ist, weil Teams ihre Fahrer per Funk hätten warnen und Fahrer die Lage auf der Strecke selbst hätten erkennen müssen.
Der Auslöser war ein Defekt im automatischen Blue-Flag-System während des Rennens. Statt der üblichen automatischen Hinweise mussten die Streckenposten die blauen Flaggen manuell zeigen, während die Teams ihre Fahrer ungewöhnlich direkt über den überrundeten Verkehr informieren sollten. Genau dort sahen Wolff und Coulthard das größere Problem: nicht nur die Technik fiel aus, sondern auch die Reaktion an der Boxenmauer und im Cockpit.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte nach dem Rennen bei Sky Sports, das Marshaling-System habe nicht funktioniert und die Situation habe sogar Kämpfe an der Spitze beeinflusst. „Das Marshaling-System hat nicht funktioniert, und die Autos hinten haben den Kampf zwischen Lewis und Kimi behindert“, sagte er. Besonders scharf griff er dann die Kommunikation anderer Teams an: „Es ist beschämend von einigen dieser Teletubby-Ingenieure, die auf der Boxenmauer sitzen und ihren Fahrern nicht sagen, was hinter ihnen passiert.“ Wolff machte damit klar, dass er die Verantwortung nicht allein bei der FIA sah.
Coulthard schlug im Podcast Up to Speed in dieselbe Kerbe. Für ihn erklärte die Panne das Chaos nur teilweise. „Es war wie am ersten Schultag. Und ich rede von Kindergarten, so wie die Fahrer auf blaue Flaggen reagiert haben“, sagte er. Dazu kam für ihn ein grundlegender Mangel an Übersicht: „Es gibt so etwas wie räumliches Bewusstsein, und deine Ingenieure können auch einfach über die Boxenmauer schauen.“ Selbst wenn Timing-Daten Probleme machten, sei das im Rennen keine ausreichende Ausrede.
Als deutlichstes Beispiel für die Folgen der Verwirrung gilt die Kollision zwischen Carlos Sainz Jr. und Oscar Piastri. Sainz erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe und erklärte hinterher, ohne die üblichen blauen Lichter am Lenkrad habe er nicht gewusst, dass er gleich überrundet würde. Er sagte, er habe „keine Ahnung“ gehabt und sei zudem in einen Kampf mit Fernando Alonso verwickelt gewesen. Piastri ließ diese Begründung nicht gelten. „Ich wusste, dass es Probleme mit den blauen Flaggen gab. Aber die Flaggen der Streckenposten wurden überall gezeigt“, sagte er. Noch schärfer wurde er mit Blick auf die Verantwortung von Fahrer und Team: „Es ist mir völlig egal, ob er mich nicht gesehen hat. Dass er mich nicht gesehen hat und ihm niemand Bescheid gesagt hat, oder dass jegliches Situationsbewusstsein gefehlt hat, ist inakzeptabel.“
Coulthard weitete die Kritik deshalb auf die Arbeitsweise moderner Teams aus. Er sagte, nur noch wenige Teams hätten an ihrer Engineering Wall überhaupt noch einen klaren Blick auf die Strecke. Früher hätten Ingenieure und Teamchefs häufiger selbst über die Boxenmauer geschaut und dadurch ein Gefühl für die Positionen der Autos entwickelt. Im Qualifying lasse sich das bei aus der Box kommenden Fahrzeugen nicht immer sauber einschätzen, im Rennen dagegen schon. „Nun ja, nicht meistens, man kann es absolut erkennen. Es war einfach nicht gut genug“, sagte er.
Damit wurde das Ungarn-Wochenende zu mehr als einer Debatte über eine FIA-Panne. Die Vorfälle um Sainz und Piastri sowie die Behinderungen in weiteren Positionskämpfen haben offengelegt, wie stark sich die Formel 1 auf Datenströme und automatische Anzeigen verlässt. Genau deshalb wächst nun der Druck auf Teams und Rennleitung, für Ausfälle wieder robustere Abläufe zu schaffen, mit direkter Beobachtung an der Boxenmauer und klarer Funkkommunikation als Grundpflicht statt als Notlösung.
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