McLaren hat seinen rotierenden Heckflügel nach den Trainingsdaten beim Grand Prix von Ungarn freigegeben und plant nun den Einsatz des Konzepts an ausgewählten künftigen Rennwochenenden. Teamchef Andrea Stella bestätigte, dass die Lösung im ersten Freien Training sowohl mechanisch als auch aerodynamisch die Erwartungen erfüllt habe.
Entscheidend war für McLaren der Abgleich zwischen Strecke und Simulation. Das Team sammelte in Budapest Daten im FP1 und kam laut Stella zu dem Schluss, dass sich der Flügel eng genug an die Vorhersagen hielt, um eine „positive Freigabe“ zu erhalten. Er sagte, es sei ein „kompliziertes Projekt gewesen, was keine Überraschung war“, und ergänzte, McLaren freue sich nun darauf, das Konzept „an einigen künftigen Wochenenden“ einzusetzen.
Der Test war für McLaren ein wichtiger Schritt nach Rückschlägen in der Entwicklung. Nach monatelanger Arbeit und einem gescheiterten Anlauf in Österreich brachte das Team die Lösung in Ungarn erstmals auf den MCL40. Im ersten Training fuhr Reservist Leonardo Fornaroli anstelle von Oscar Piastri das Testprogramm.
Stella sagte, das System habe wie erwartet funktioniert, sowohl bei der mechanischen Betätigung als auch bei der Geschwindigkeit der Aktivierung. Auch aus aerodynamischer Sicht habe sich das Konzept wie erhofft verhalten. Dabei ging es vor allem darum, wie sich die Strömung wieder anlegt, wenn der Flügel in seine Standardposition zurückkehrt, und wie schnell das Auto wieder den vollen Abtrieb aufbaut.
McLaren ist damit das dritte Team, das einen solchen rotierenden Heckflügel auf die Strecke gebracht hat. Ferrari war mit der Idee im Vorsaisontest Vorreiter, Red Bull folgte mit einer eigenen Auslegung. Stella erklärte den Unterschied der Konzepte so: Während sich Ferraris oberes Flügelelement nach hinten bewege, rolle McLarens Lösung nach vorn und damit in eine ähnliche Richtung wie der Ansatz von Red Bull.
Für Stella war gerade bei diesem Punkt die Streckenarbeit wichtiger als reines Windkanal-Feedback. Andrea Stella, Teamchef von McLaren, sagte, er glaube nicht, „dass der Windkanal ein entscheidender Faktor ist, wenn es darum geht, das aerodynamische Verhalten bei der Wiederanlegung der Strömung zu bestimmen“. Das wichtigste Werkzeug bleibe bei solch komplexen Projekten „das, was man an der Strecke beobachtet“. Deshalb sei es so wichtig gewesen, in den Trainings möglichst viele Daten auf der Strecke zu sammeln, weil man sich „bei einem so heiklen Projekt nie allein auf einen Windkanal verlassen“ hätte.
Mit der Freigabe nach dem Budapest-Test hat McLaren nun die Grundlage geschaffen, den Heckflügel gezielt in den Rennbetrieb zu bringen und damit eine weitere Entwicklungsoption für kommende Wochenenden in der Hand zu haben.
© Jonathan Borba