Der Große Preis von Ungarn 2026 wurde für viele Fahrer zum seltenen Gegenbeispiel dieser Formel-1-Saison, weil der Hungaroring mit seinem energie-reichen Layout ein Racing ermöglichte, das sich wieder wie klassische Formel 1 anfühlte.
Ausgerechnet auf einer Strecke, die lange als schwierig zum Überholen galt, fielen die Probleme der 2026er Power-Unit- und Energie-Management-Regeln deutlich weniger ins Gewicht als zuletzt in Silverstone oder Spa-Francorchamps. Viele Bremszonen und einige der kürzesten Geraden im Kalender halfen dabei, Clipping und Super-Clipping zu entschärfen, statt das Fahrverhalten wie auf anderen Hochgeschwindigkeitskursen zu dominieren.
Das machte sich im Rennen direkt bemerkbar. Die erste Phase war eng, weil mehrere Topteams dicht beieinander lagen, und Überholen war möglich, aber nicht zu einfach. Max Verstappen setzte Lewis Hamilton mit einem späten Bremsmanöver in Kurve 1 unter Druck, Hamilton gelangen zudem zwei Überholmanöver außen herum gegen Arvid Lindblad und Isack Hadjar. Dazu kam strategische Vielfalt, weil am Sonntag Drei-, Zwei- und Ein-Stopp-Ansätze nebeneinander funktionierten.
Esteban Ocon sagte nach dem Rennen im Gespräch mit Medien: „Es war schön. Dieser Aspekt, dass wir etwas freier wählen können, welche Gänge wir nutzen und welchen Fahrstil wir fahren wollen, ist so viel besser. Es erinnert mich ein bisschen an die alten Zeiten. Ich hatte vom Anfang bis zum Ende des Wochenendes ein Lächeln im Gesicht, also ist das cool.“
Gerade dieser Eindruck erklärt, warum Ungarn für viele im Fahrerlager herausstach. Das Rennen wirkte nicht deshalb lebendig, weil Autos mit großen Energie-Schüben einfach aneinander vorbeifuhren, sondern weil Manöver vorbereitet und unter dem Bremsen vollendet werden mussten. Damit bot der Hungaroring etwas, das 2026 auf mehreren anderen Strecken verloren gegangen war.
Der Befund gilt aber ausdrücklich nicht für den gesamten Kalender. In dieser Saison haben sich ausgerechnet einige der traditionsreichsten und fahrerisch beliebtesten Kurse als problematisch erwiesen, weil sie unter den aktuellen Regeln zu energiehungrig sind. Dort kosten Top-Speed-Verluste und erzwungenes Energie-Management nicht nur Zeit, sondern verändern auch das Fahrgefühl in schnellen Passagen spürbar.
Isack Hadjar sagte am Hungaroring gegenüber PlanetF1.com und weiteren Medien: „Es fühlt sich gut an, am Ende der Geraden die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, zurück zum klassischen Racing. Es ist ein bisschen traurig, dass die guten Strecken jetzt als High-Energy-Strecken eingeordnet werden. So bewerten wir Strecken inzwischen.“ Mit Blick auf Spa und die nächsten Rennen ergänzte er: „Spa ist eine der besten Strecken, aber es war eine der schlechtesten zu fahren. Es fühlt sich gut an, hier zu so etwas zurückzukehren. Wir erwarten auch Zandvoort als gut. Wir müssen es genießen, solange wir können, bevor Monza kommt.“
Genau darin liegt die eigentliche Aussage dieses Wochenendes: Ungarn zeigte, wie gut die Formel 1 unter den 2026er Regeln wirken kann, wenn die Streckencharakteristik die Energieprobleme kaschiert. Es zeigte aber auch, dass dieses natürlichere Racing vorerst eher die Ausnahme bleibt als der neue Standard.
© Spencer