© Jonathan Borba

Verstappen spaltet F1: Titelchance oder Außenseiter?

Nach vier Rennen der Formel-1-Saison 2026 prallen bei Max Verstappen zwei gegensätzliche Deutungen aufeinander: Bernie Ecclestone zählt ihn neben Kimi Antonelli weiter zu den Titelkandidaten, während Guenther Steiner den Weltmeister mit nur 26 Punkten praktisch schon aus dem WM-Kampf schreibt.

Steiner fiel im Interview mit dem The Red Flags Podcast ein hartes Urteil. Über Verstappens Chancen auf den Titel sagte der frühere Haas-Teamchef: „Er ist kein Titelkandidat. Nein, überhaupt nicht. Ich will das nicht einmal erklären. Es wird dieses Jahr einfach nicht passieren.“ Das Urteil kommt trotz der Fortschritte, die Red Bull zuletzt in Miami erkennen ließ.

Denn die nackten Zahlen sprechen bislang klar gegen ein Comeback. Nach vier Läufen steht Verstappen bei 26 Punkten, während Spitzenreiter Antonelli die Marke von 100 Punkten bereits überschritten hat. Genau dieser Abstand macht die Diskussion so scharf: Red Bull wirkt wieder auf dem Weg nach vorn, doch in der WM ist der Rückstand schon erheblich.

Ecclestone hat seine eigene Einschätzung in den ersten Saisonwochen bereits korrigiert. Vor Saisonbeginn hatte der frühere Formel-1-Chef und Brabham-Besitzer noch gewarnt, dass die neuen 2026er Regeln nicht zu Verstappens Fahrstil passen würden und Mercedes im Vorteil sei. Nach vier Rennen klang das bei ihm anders. Gegenüber Blick sagte Ecclestone: „Die Saison ist noch jung“, bevor er sich festlegte: „Antonelli oder Verstappen wird Weltmeister.“

Der Stimmungswechsel hängt auch mit Miamis Signalen zusammen. Red Bull brachte am RB22 größere Änderungen an mehreren Bereichen des Autos, darunter auch ein vom Ferrari-„Macarena“-Konzept inspirierter Heckflügel. Das Auto wirkte konkurrenzfähiger als in den ersten drei Grand Prix, doch Verstappen konnte das Potenzial im Rennen nicht vollständig nutzen. Ein Dreher in Kurve 1 beschädigte seine Chancen zusätzlich.

Laurent Mekies, Red-Bull-Teamverantwortlicher, ordnete den Auftritt im Gespräch mit AFP ähnlich ein. Er sagte, Verstappen sei „genauso frustriert wie wir über die fehlende Performance des Autos in den ersten drei Grands Prix und über die anfängliche Komplexität des 2026er Reglements“. Nach dem Fortschritt in Miami warnte Mekies aber vor zu viel Euphorie: „Bedeutet das, dass wir zurück sind und um Siege kämpfen? Nein. So weit sind wir noch nicht, aber wir werden dort ankommen.“

Damit verdichtet sich die Lage vor dem Grand Prix von Kanada vom 22. bis 24. Mai zum Kernkonflikt von Red Bulls Saison. Das Team sieht nach dem schwierigen Start wieder einen Weg zurück, doch Verstappens fünfter Titel in Serie bleibt wegen des frühen Rückstands auf Antonelli hoch umstritten.