© Jake Archibald from London, England

Villeneuve warnt Red Bull wegen Verstappen

Jacques Villeneuve sieht Red Bulls Krise nicht mehr nur als Leistungsproblem, sondern als strukturellen Zerfall um Max Verstappen. In der Sky Sports F1 Show nach dem Großen Preis von Spanien sagte der Formel-1-Weltmeister von 1997, das Team müsse alles daransetzen, Verstappen zu halten, weil er „im Moment das Einzige [ist], was im Team noch gut ist, abgesehen vom Motor“.

Damit verschob Villeneuve den Fokus weg vom Auto und hin zur Organisation hinter ihm. Aus seiner Sicht spricht im Fahrerlager kaum noch jemand über Red Bull als Team, sondern nur noch darüber, dass Verstappen den Schaden begrenzt. „Wir reden nicht über sie. Wir reden nur über Max“, sagte Villeneuve. „Das ist im Moment eher das Narrativ. Nicht das Team, sondern Max.“

Seine Begründung fiel deutlich aus. Villeneuve sagte, Red Bull habe „jeden losgeworden, der dieses Team zu dem gemacht hat, was es heute ist“, und nannte Christian Horner, Jonathan Wheatley, Adrian Newey und Helmut Marko als prägende Figuren, die nicht mehr in dieser Struktur stehen. Deshalb sei Verstappen nun der „letzte verbliebene Soldat“.

Die sportliche Lage verstärkt diesen Eindruck. Verstappen holte in den ersten sieben Grands Prix der Saison nur ein Podium, Red Bull liegt laut einer der vorliegenden Darstellungen auf Rang vier der Konstrukteurswertung. Für Villeneuve ist das weniger ein Ausreißer als ein Symptom dafür, dass dem Team die personelle Substanz fehlt, um seine frühere Rolle an der Spitze aus eigener Kraft wiederzufinden.

Besonders kritisch sieht er das Innenleben des Rennstalls. Red Bull sei in den vergangenen zwei oder drei Jahren „zu einem sehr politischen Ort“ geworden, sagte Villeneuve, mit „so viel internem Streit darüber, wer die Führung übernimmt“. In dieser Gemengelage sei „irgendwie alles zerstört“ worden und müsse neu aufgebaut werden. Entsprechend schwer sei es für ihn, „eine gute Zukunft bei Red Bull zu sehen“.

Verstappen könne diesen Prozess nicht alleine auffangen, betonte Villeneuve. „Er ist kein Autodesigner“, sagte er, auch wenn der Niederländer sehr gut darin sei, ein Auto weiterzuentwickeln und zu benennen, was gebraucht werde. Entscheidend sei, die richtigen Leute um ihn herum zu haben. Genau darin liegt für Villeneuve die eigentliche Aufgabe von Red Bull: die Struktur wieder aufzubauen, damit Verstappen nicht nur das Gesicht des Teams bleibt, sondern auch einen Grund hat zu bleiben.