Claire Williams fürchtet, dass George Russell in der Formel 1 nicht sein Talent, sondern anhaltendes Pech um eine titelfähige Saison und im schlimmsten Fall sogar um seine langfristigen WM-Chancen bringen könnte.
Im High Performance Racing Podcast sagte die frühere Williams-Vize-Teamchefin, ihre Sorge gelte nicht Russells fahrerischem Niveau, sondern einer Serie von Rückschlägen, die sich festsetzen könnte. „Und ich mache mir Sorgen um George. Ich glaube nicht, dass es an mangelndem Talent liegt. Ich glaube, er hatte einfach ein bisschen Pech. Und ich sorge mich, dass Pech manchmal an Menschen haften bleibt. Ich will wirklich nicht, dass es an George haften bleibt, denn er verdient einen Titel. Ich finde, er verdient ihn. Er hat ihn sich erarbeitet“, sagte Williams.
Gerade deshalb wiegen die bisherigen Rückschläge schwer. Russell hatte in China im Qualifying Probleme durch Defekte, verlor in Japan durch ein unglücklich getimtes Safety Car strategisch den Anschluss, fiel in Kanada mit einem Problem an seinem Mercedes aus, obwohl er in Führung lag, kassierte in Monaco eine Strafe, die ihn aus den Punkten warf, und verlor in Barcelona Leistung, sodass er nicht um den Sieg kämpfen konnte.
Williams hatte Russell zu Saisonbeginn noch als Titelkandidaten ganz vorne gesehen. Im selben Podcast räumte sie aber ein, dass sie Kimi Antonelli unterschätzt habe. „Ich bin zu Beginn dieses Jahres mit voller Überzeugung rausgegangen und habe gesagt, dass es Georges Jahr wird. Ich glaube, ich habe Kimi unterschätzt, aber ich denke, ziemlich viele Leute haben Kimi am Anfang des Jahres unterschätzt“, sagte sie.
Ihre Einschätzung begründete Williams auch mit eigenen Erfahrungen aus ihrer Zeit bei Williams. Sie sagte, dass ihr Team in Rennen, die durch Regen oder Safety Cars zur Lotterie wurden, „nie von diesen Glücksmomenten im Sport profitiert“ habe. Das sei aus ihrer Sicht nicht auf Strategiefehler oder andere eigene Versäumnisse zurückzuführen gewesen. „Es ist für uns einfach nie passiert. Nie“, sagte sie.
Für Russell ist das besonders brisant, weil Antonelli die Saison bei Mercedes bislang prägt. Laut den vorliegenden Angaben hat sein Teamkollege fünf der ersten sieben Grands Prix gewonnen und liegt im teaminternen Vergleich bereits 50 Punkte vor Russell. Damit droht aus einer Reihe unglücklicher Einzelmomente ein Rückstand zu werden, der den Titelkampf früh in eine andere Richtung lenkt.
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