Carlos Sainz sollte einen möglichen Wechsel von Williams zu Red Bull trotz der Spekulationen um Max Verstappen sehr genau abwägen, denn Riccardo Patrese hält es für gut möglich, dass Red Bull „am Ende vielleicht sogar schlechter als Williams“ dastehen könnte.
Der sechsmalige Grand-Prix-Sieger sagte im Gespräch mit BettingLounge, Sainz habe Williams Ende 2025 „auf ein Niveau gebracht, das sie seit vielen Jahren nicht erreicht hatten“. Gerade deshalb stellt Patrese die entscheidende Frage für die nächsten Monate: Wenn Sainz überhaupt weg wolle, wohin solle er dann gehen?
Patrese sieht für den Spanier bei den großen Teams derzeit kaum realistische Türen offen. Eine Rückkehr zu Ferrari sei schwer vorstellbar, bei McLaren gebe es „zwei gute Fahrer“, und Mercedes sei keine Option. Deshalb, so sein Schluss, würde es wenig Sinn ergeben, ein Team wie Williams jetzt zu verlassen.
Theoretisch bleibt aus seiner Sicht nur Red Bull als naheliegende Alternative. Genau dort setzt aber seine Warnung an. Patrese sagte, Sainz könne „vielleicht zu Red Bull gehen“, aber das Team verliere „alle Schlüsselpersonen“ und könne dadurch „am Ende vielleicht sogar schlechter als Williams“ werden. Für Sainz sei das „im Moment keine einfache Position“.
Diese Einschätzung wiegt umso schwerer, weil Williams 2026 selbst schwach in die neue Regelära gestartet ist. Nach drei Grands Prix stand nur ein Top-10-Ergebnis zu Buche, dazu lediglich zwei Punkte und Rang neun in der Konstrukteurswertung. Sainz holte mit Platz neun das bislang beste Resultat des Teams.
Der Fahrer selbst machte in Suzuka keinen Hehl aus seiner Ernüchterung. Carlos Sainz, Williams-Pilot, sprach von einem „Schock“ für sich, das Team, James Vowles, Alex Albon und die Ingenieure. Er habe die Probleme schon im Dezember und Januar kommen sehen und ergänzte: „Nicht alle Wege zum Erfolg verlaufen linear. Es würde immer eine Delle geben. Diese Delle ist groß, wahrscheinlich sogar größer, als ich erwartet hatte.“
Für Patrese ändert dieser Rückschlag aber nichts am Grundmuster. Er verweist darauf, dass Williams im vergangenen Jahr echte Fortschritte gezeigt habe und mit dem Mercedes-Antrieb weiter eine solide Basis besitze. Wegen verpasster Tests in Barcelona sei das Team verspätet in die Saison gestartet, nun müsse sich erst zeigen, ob nach der erzwungenen Pause ein besseres Auto komme.
Genau darin liegt Sainz’ Zwickmühle: Williams hat ihn sportlich enttäuscht, doch Patrese erkennt derzeit keinen Wechsel, der klar nach vorn führen würde. Wenn selbst ein Red-Bull-Cockpit nicht mehr automatisch wie ein Aufstieg wirkt, hängt Sainz’ nächster Schritt vor allem daran, ob Williams seine Entwicklung aus 2025 wieder auf die Strecke bringen kann.
© Jonathan Borba