Daniel Ricciardo hat vor seinem Besuch beim Indianapolis 500 eine Rückkehr ins Cockpit zwar nicht ausgeschlossen, zugleich aber klargemacht, dass für ihn nur ein Neustart ohne Erfolgsdruck infrage käme.
Im Speed Street Podcast von Conor Daly sagte der achtfache Grand-Prix-Sieger mit Blick auf seine Zukunft: „Man soll niemals nie sagen.“ Im Moment genieße er es aber, nicht mehr im Wettbewerb zu stehen. Er freue sich über die kleinen Dinge im Leben und darüber, nicht ständig im Rampenlicht zu stehen. Ob er in drei oder fünf Jahren anders darüber denke, wisse er nicht.
Ricciardo steht seit seinem Formel-1-Aus 2024 nicht mehr im aktiven Rennbetrieb. Nach dem Grand Prix von Singapur wurde er bei RB, inzwischen Racing Bulls, durch Liam Lawson ersetzt. Danach zog er sich bewusst zurück. Er habe sich am Ende seiner Karriere gefragt, warum er den Sport eigentlich liebe, sagte er, und deshalb erst einmal Abstand gebraucht, um sich selbst jenseits des Rennfahrers zu finden.
Gerade dieser Abstand habe seine Sicht verändert. Besuche bei Rennen hätten ihm geholfen, wieder eine gesunde Beziehung zum Motorsport aufzubauen. Deshalb klingt sein vorsichtiges Comeback-Signal nicht nach dem Versuch, noch einmal einer großen Karrierechance hinterherzujagen, sondern nach einer klaren Bedingung: Falls er irgendwann noch einmal fahre, dann nur, wenn es ihm Freude mache.
Das formulierte Ricciardo deutlich. Sollte er „eines Tages“ noch einmal etwas machen, dann „definitiv eher aus Spaß als mit dem Gedanken, irgendeine Meisterschaft zu jagen“. Einen Pokal brauche er nicht mehr, sagte er. Gerade der Zwang zu Ergebnissen könne dem Rennfahren auch etwas von seiner Freude nehmen. Er wolle nur sicherstellen, dass ein mögliches künftiges Projekt „einfach freudvoll“ sei, ohne etwas beweisen zu müssen oder der Beste sein zu wollen.
Sein anstehender Besuch beim 110. Indianapolis 500 ist deshalb vor allem als Fan-Moment zu verstehen, nicht als Fingerzeig auf ein IndyCar-Programm. Ricciardo sagte Daly über Ovalrennen und IndyCar-Fahrer: „Was ihr da macht, macht mir höllische Angst.“ Gleichzeitig lobte er deren Niveau und Mut und machte klar, dass er die Disziplin auf Ovals als etwas grundlegend anderes als die Formel 1 betrachtet.
Auch deshalb dämpfte er Spekulationen über einen eigenen Start in Indianapolis eher, als dass er sie anheizte. Er sagte, er freue sich darauf, das Rennen als Zuschauer zu erleben wie kaum ein anderes seit seiner Kindheit. Obwohl er sein ganzes Leben im Motorsport verbracht habe, rechne er damit, dass ihn die Atmosphäre in Indianapolis noch immer überraschen und überwältigen werde.
Für Ricciardo ist die Tür zu einer Rückkehr damit nicht ganz geschlossen. Nach seinem Rückzug aus der Formel 1 scheint sie aber nur unter einer Bedingung offen zu bleiben: Rennsport müsste sich für ihn wieder leicht anfühlen, nicht wie eine weitere Jagd nach Titeln oder Bestätigung.
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