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Williams sieht Miami-Schub nur als ersten Schritt

Williams hat in Miami mit Carlos Sainz auf Platz neun und Alex Albon auf Platz zehn das erste Doppel-Punkteresultat der Saison geholt, doch intern gilt das Ergebnis vor allem als Beleg dafür, dass das verspätete Upgrade-Paket des FW48 endlich wirkt und nicht als Zeichen einer bereits vollzogenen Wende.

Sainz machte nach dem Rennen klar, dass Williams in Florida im Kern erst das Auto an den Start brachte, das schon zum Saisonauftakt geplant gewesen war. Wegen der Verzögerungen zu Saisonbeginn habe das Team das Paket erst jetzt ans Auto bringen können. "Wir haben endlich das Upgrade an das Auto gebracht, das eigentlich schon für das erste Rennen geplant war", sagte Carlos Sainz, Williams-Fahrer, nach dem Rennen gegenüber Reportern. Jetzt performe der FW48 "zumindest auf dem Niveau der Mittelfeld-Autos", auch wenn weiterhin "eine Menge Gewicht" aus dem Auto heraus müsse.

Die Wirkung war in Miami sichtbar, aber Sainz ordnete sie sofort ein. Williams sei an diesem Wochenende zwar "klar das sechstschnellste Team" gewesen, Alpine habe im Rennen aber trotzdem "gut 20 Sekunden" Vorsprung gehabt, ohne Safety-Car sogar "25 bis 30 Sekunden". Für ihn ist das Resultat deshalb nur eine neue Ausgangsbasis. "Wir müssen den Kopf unten halten, dies als neue Basis nehmen und anfangen, uns zu verbessern", sagte er.

James Vowles erklärte im Team-Format "Vowles Verdict", wie umfangreich das Miami-Paket tatsächlich war. Der Williams-Teamchef sprach von einem neuen Unterboden, überarbeiteter Karosserie, Änderungen am Frontflügel, modifizierter Hinterradaufhängung, einer Weiterentwicklung beim Exhaust Blowing und einer kleinen, aber wichtigen Gewichtsreduktion. In den fünf Wochen vor Miami habe das Team rund 30 Performance-Projekte vorangetrieben. Der Entwicklungsschub endet laut Vowles nicht in Florida. "Wir haben mehr Performance für Montreal", sagte er.

Dass Williams überhaupt in diese Lage geraten ist, hatte Vowles bereits vor dem Miami-Wochenende in der Teamchef-Pressekonferenz beschrieben. Der Winter sei "messy" gewesen, weil bei einem komplett neuen Auto neue Systeme und Abläufe erstmals zusammengekommen seien und viele kleine Ineffizienzen erst unter Last sichtbar geworden seien. Dazu kamen schwierige Crash-Tests, die das System zusätzlich belasteten. Das Ergebnis war ein zu schweres Auto zum Saisonstart.

Genau dieses Übergewicht prägt auch den weiteren Aufholplan. Vowles sagte, Gewichtsabbau lasse sich unter dem Budget Cap nicht einfach isoliert betreiben, sondern müsse sinnvoll mit Aerodynamik-Updates verbunden werden. Mehrere Kilo habe Williams mit dem neuen Unterboden bereits entfernt, doch der Prozess bleibe schrittweise. Er sprach von einem Programm mit Gewichtsreduktion, aerodynamischer Entwicklung und fahrdynamischen Maßnahmen, bei dem noch offen sei, was in den nächsten Wochen zu 100 Prozent geliefert werden könne. Gleichzeitig erwartet er, dass auch Mercedes, Audi und vielleicht Haas in ähnlichem Zeitraum nachlegen.

Sainz erwartet deshalb keine schnelle Lösung. Gegenüber PlanetF1.com und weiteren akkreditierten Medien sagte er, der Wiederaufbau werde Monate dauern. "Es wird einige Monate dauern, bis der Turnaround abgeschlossen ist", sagte er. "Ich denke, wir werden das letzte Saisondrittel erreichen müssen, um eine echte Kehrtwende zu sehen." Das Miami-Wochenende sei trotzdem wichtig, weil das Upgrade zumindest den gewünschten ersten Effekt gezeigt habe: "Das Gewicht des Autos wurde etwas reduziert."

Der Spanier wertete die zwei Autos in den Punkten aus eigener Kraft als "definitiv einen guten Schritt", warnte aber zugleich vor falscher Zufriedenheit. Williams habe in den nächsten Rennen weitere kleine Teile in der Pipeline, doch das Ziel sei nicht erreicht. Für Sainz kann Miami nur dann Bedeutung bekommen, wenn aus dem verspäteten ersten Upgrade nun tatsächlich der Beginn eines längeren Aufschwungs wird.