Carlos Sainz hat die erste aufgezeichnete Runde auf dem neuen Madring absolviert und dem künftigen Formel-1-Kurs in Madrid ein deutlich stärkeres Urteil als erwartet ausgestellt: Die 5,4 Kilometer lange Strecke mit 22 Kurven sei „schneller, als sie aussieht“, mit einer besonders markanten Signaturkurve in La Monumental.
Der Williams-Pilot fuhr die ersten Runden auf der noch im Bau befindlichen Strecke in einem Ford Mustang GT mit 450 PS. In einem von der Formel 1 veröffentlichten Video sagte Sainz, er habe nicht erwartet, „so viel Spaß“ zu haben. Vor allem habe ihn überrascht, wie flüssig und breit der Kurs sei und wie lange man das Auto in schnellen Passagen unter Last halten könne.
Am meisten beeindruckte ihn La Monumental, die rund 500 bis 550 Meter lange, von einer Stierkampfarena inspirierte Steilkurve mit 24 Prozent Banking. „Ich dachte, La Monumental hätte einfach nur Banking, und dann stellt sich heraus, dass sie nicht nur Banking hat, sondern auch blind ist. Ihr habt da einen guten Cocktail geschaffen“, sagte Carlos Sainz, Williams-Fahrer und Botschafter des Kurses. Für Formel-1-Autos erwartet er dort Vollgas, auch wenn die Fahrer in der Mitte möglicherweise leicht lupfen müssten, damit die Vorderachse greift.
Genau dieser Wechsel im Charakter der Strecke prägte seinen ersten Eindruck. Sainz hob besonders den Abschnitt vom Ausgang von Kurve 7 bis in die harte Bremszone von Kurve 8 hervor, wo die Sicht stark eingeschränkt ist. Dort gehe es aus einem engen, fast straßenkursartigen Bereich plötzlich in eine blinde Passage, bevor sich die Strecke schlagartig öffne. Das fühle sich an, als würde man „durch einen Bildschirm in eine andere Welt“ fahren. Ab Kurve 9, wenn der Kurs vom öffentlichen Straßenabschnitt in den permanenten Teil übergeht, komme der Madring laut Sainz „richtig zum Leben“.
Für das Rennen rechnet er mit mehreren Überholmöglichkeiten. Die Schikane in Kurve 1 und 2 nannte er ebenso wie die Anbremszone von Kurve 5 und 6, Kurve 13 nach La Monumental und auch den Schlusssektor. Entscheidend werde dabei der Umgang mit der Batterie, weil zwei lange Geraden und direkt anschließende Bremszonen das Rennen „sehr strategisch“ machen dürften. Gleichzeitig glaubt Sainz, dass die Breite der Strecke und unterschiedliche Linien es den Fahrern erleichtern werden, dicht zu folgen und saubere Luft zu finden.
Das ist für den Madring sportlich der entscheidende Punkt. Neue Stadtkurse stehen oft unter Verdacht, vor allem für das Event gebaut zu sein und wenig echtes Racing zu liefern. Sainz’ erste Einschätzung deutet in eine andere Richtung: auf einen hybriden Kurs mit engem, urbanem ersten Teil und einem deutlich schnelleren, permanenten zweiten Abschnitt, der eher auf Fluss und Lastwechsel als nur auf rechte Winkel setzt.
Der semi-permanente Madring rund um das IFEMA-Gelände nahe dem Flughafen Barajas soll vom 11. bis 13. September 2026 erstmals den Großen Preis von Spanien ausrichten. Vorher steht noch die FIA-Inspektion Ende des Monats an. Sainz’ erste reale Runden haben dem Projekt aber schon jetzt genau das geliefert, was für einen neuen Grand-Prix-Kurs am wichtigsten ist: den Eindruck, dass Madrid nicht nur neu aussieht, sondern echte fahrerische Herausforderung und strategische Rennoptionen bieten könnte.
© Eterna