George Russell hat nach seinem Ausfall beim Großen Preis von Kanada selbst eingeräumt, dass der WM-Kampf 2026 nun Andrea Kimi Antonellis „zu verlieren“ sei, auch wenn Mercedes die Titelchance des Briten weiter klar verteidigt.
Russell erlebte in Montreal eigentlich sein stärkstes Wochenende der Saison. Er holte die Pole für Sprint und Grand Prix, gewann den Sprint und führte auch das Hauptrennen an, ehe sein Mercedes nach 29 bis 30 Runden stehen blieb. Mercedes-Technikchef James Allison erklärte den Ausfall als „Motorabschaltung durch einen Defekt in der Batterie, die einen katastrophalen Schaden erlitt“.
Die Folgen waren sportlich sofort gravierend. Antonelli gewann das Rennen in Kanada mit 10,7 Sekunden Vorsprung auf Lewis Hamilton, feierte damit seinen vierten Grand-Prix-Sieg in Folge und baute seine Führung in der Fahrerwertung nach fünf Rennen auf 43 Punkte aus. Der 19-Jährige ist damit innerhalb von Mercedes klar zum Maßstab geworden.
Russell machte aus seiner Einschätzung nach dem Rennen keinen Hehl. In seinen Medienrunden nach Kanada sagte der Mercedes-Pilot: „Im Moment ist es seine WM, die er verlieren kann.“ Mit Blick auf den Rückstand fügte er hinzu: „Er ist so viele Punkte voraus. Es ist fast so, als wollten die Götter nicht, dass ich in diesem Kampf dabei bin.“
Genau diese Reaktion hat die Debatte nach Montreal noch verschärft. Christian Fittipaldi, ehemaliger Formel-1-Fahrer, kritisierte Russell im Pelas-Pistas-Podcast für einen aus seiner Sicht zu resignativen Ton. „Ich persönlich denke, dass er das Handtuch wirft“, sagte Fittipaldi über Russells Aussage.
Mercedes widersprach diesem Eindruck jedoch deutlich. Toto Wolff, Teamchef von Mercedes, betonte nach dem Rennen, Russell werde den Kampf nicht aufgeben. „Es sind noch 17 Rennen übrig“, sagte Wolff und stellte klar, dass der Rückstand trotz Antonellis starker Serie noch nicht entscheidend sei. Zugleich verwies er auf Russells mentale Stärke und darauf, dass er in Kanada aus seiner Sicht nichts falsch gemacht habe.
Auch intern stellte sich Mercedes demonstrativ hinter Russell. Bradley Lord, stellvertretender Teamchef von Mercedes, sagte im Silver Arrows Radio, der Ausfall sei „absolut nicht Georges Schuld“ gewesen. Russell sei „das ganze Wochenende brillant gefahren“ und wäre nach seinen zwei Pole-Positions und dem Sprint-Sieg „auch ein sehr verdienter Grand-Prix-Sieger gewesen“.
Damit steht Mercedes nach Kanada in einer auffälligen Doppelposition: Antonelli hat sich mit vier Siegen in Serie und 43 Punkten Vorsprung zum klaren Favoriten gemacht, während Russell trotz seines bisher überzeugendsten Wochenendes ohne den Ertrag dastand. Für den Titelkampf ist genau das der Kern der Lage: Antonelli kontrolliert das Momentum, aber Mercedes weigert sich, Russell schon nach fünf Rennen abzuschreiben.
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