George Russell hat die Spekulationen um ein mögliches Mercedes-Cockpit für Max Verstappen ab 2027 deutlich heruntergespielt und zugleich seine eigene Zukunft bei den Silberpfeilen bekräftigt. Vor einem Mercedes-Pressetermin sagte der Mercedes-AMG-Petronas-Fahrer, er sei „sehr zuversichtlich“, auch nach 2026 beim Team zu bleiben, und erklärte, er werde „mit Sicherheit“ auch 2027 für Mercedes starten.
Damit versuchte Russell, Gerüchte abzukühlen, wonach Verstappen ihm bei Mercedes den Platz streitig machen könnte. Russell betonte, sein Vertrag sei mehrjährig, und zeigte sich deshalb nicht besorgt über ein mögliches Werben um den Red-Bull-Fahrer.
Auffällig war dabei, dass Russell im gleichen Atemzug ungewöhnlich versöhnlich über seinen langjährigen Rivalen sprach. Er sagte, man wolle Verstappen nicht verlieren, „weil wir alle gerne gegen ihn kämpfen“, schob aber sofort nach: „Die Formel 1 ist größer als ein einzelner Fahrer. Wenn ein Fahrer geht, dann ist das eben ein Teil davon.“
Auch im Gespräch mit der BBC klang Russell deutlich milder als in früheren Wortgefechten mit Verstappen. Auf die Frage, ob er den Niederländer 2026 im Titelkampf sehen wolle, antwortete er mit einem klaren Ja und sagte über ihr Verhältnis, sie hätten „ein bisschen Respekt füreinander“. Er habe „großen Respekt für das, was er auf der Strecke zeigt“, und auch für das, was Verstappen derzeit insgesamt mache.
Russell verband diese Einschätzung mit einer sportlichen Erklärung für Verstappens zuletzt harte Kritik am Zustand der Formel 1. Aus seiner Sicht hängen viele dieser Klagen mit Red Bulls nachlassender Konkurrenzfähigkeit zusammen. Russell erinnerte daran, dass die schweren und harten Autos der Jahre 2022 bis 2025 unter den Fahrern generell unbeliebt gewesen seien. Er selbst habe die Autos von 2022 wegen des Porpoising „gehasst“, weil davon „jedermanns Rücken weh tat“.
Sein Punkt war, dass Verstappen damals nicht dieselben Beschwerden geäußert habe, „weil er gewonnen hat“. Jetzt, da Mercedes, Ferrari und McLaren in der Hackordnung vorne lägen, beschwere er sich über andere Dinge. Russell machte damit klar, dass er Verstappens Frust zwar nachvollziehen kann, ihn aber vor allem als Folge der veränderten Kräfteverhältnisse liest.
Verständnis zeigte Russell auch für Verstappens Interesse an GT3-Einsätzen auf der Nürburgring-Nordschleife. Er sagte, er könne gut nachvollziehen, warum Verstappen daran Gefallen finde, und würde selbst gerne dort fahren. Er habe bereits Hunderte Runden im Simulator absolviert. „Wenn ich vier Titel hätte, würde ich wahrscheinlich dasselbe machen“, sagte Russell. Für ihn selbst gelte das im Moment aber nicht: Sein aktuelles Ziel sei es, Formel-1-Weltmeister zu werden.
Gerade daraus leitete Russell auch seine Einschätzung zu Verstappens Zukunft ab. Er sagte, Verstappen sei „an einem Punkt, an dem du in der Formel 1 nichts mehr erreichen kannst“ und habe „alles abgehakt“. Zwar könne er noch Rekorde brechen, aber irgendwann wolle man nur noch das tun, was einen glücklich mache. Deshalb, so Russell, würden die Menschen es verstehen, wenn Verstappen bleibe, und sie würden es auch verstehen, wenn er gehe.
Russells Botschaft war damit doppelt: Er sieht keinen Grund, seinen eigenen Platz bei Mercedes infrage zu stellen, und er betrachtet Verstappen inzwischen weniger als unmittelbare Bedrohung für sein Cockpit als vielmehr als einen Rivalen, den die Formel 1 im Idealfall im Spitzenkampf behalten sollte.
© Jonathan Borba