Ford-Performance-Direktor Mark Rushbrook sagt, dass Red Bull-Fords neuer DM01 den Start in die Formel-1-Saison 2026 deutlich stärker gemeistert hat als viele einem Neueinsteiger zugetraut hätten, ordnet den Antrieb aber nicht als Maßstab ein. Im Gespräch mit Motorsport-Total.com stellte er klar, dass Red Bull und Ford zwar "mit dabei" seien, er den Mercedes-Motor zum Auftakt der neuen Regelära aber weiterhin als Referenz sieht.
Rushbrook sagte, man habe gewusst, "was für eine unglaubliche Herausforderung es geben würde, überhaupt mit dem neuen Antrieb am Start zu stehen". Dass man nun "so mittendrin" sei, "fühlt sich definitiv gut an". Genau das macht den frühen Eindruck des Projekts bemerkenswert, nachdem Red Bull im Vorjahr noch deutlich skeptischer beurteilt worden war.
Damals hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei einer Medienrunde mit niederländischen Journalisten in Zandvoort über Red Bulls Motorenprojekt gesagt: "Sie müssen den Mount Everest erklimmen." Nach den ersten Testfahrten 2026 in Bahrain klang das plötzlich anders. Wolff und George Russell bezeichneten die Red-Bull-Ford-Power-Unit als "absoluten Maßstab". Der Artikel ordnet diese Aussagen jedoch auch als politisch geprägt ein. Max Verstappen konterte damals: "Wartet nur ab, wie schnell Mercedes auf den Geraden in Melbourne sein wird."
Genau in diese Richtung argumentiert auch Rushbrook. Die Vorstellung, Red Bull habe bereits den besten Antrieb im Feld, wies er zurück: "Es gibt den sportlichen Aspekt, den technischen Aspekt - und ganz sicher auch Politik." Am Ende schloss er sich Verstappens Einschätzung an, dass Mercedes motorenseitig weiterhin die Messlatte ist. Mit einem Grinsen sagte er über den Mercedes-Antrieb: "Nun ja, der Antrieb ist ziemlich gut!"
Ein Grund dafür, dass Red Bull-Ford so schnell konkurrenzfähig wurde, liegt laut Rushbrook in Fords deutlich größerer Rolle im Projekt. Ursprünglich sei die Beteiligung auf den Elektrifizierungsbereich begrenzt gewesen, also auf Batteriezelle, Elektromotor, Inverter, Software und Kalibrierungssysteme. "Aber womit wir nicht gerechnet hatten und was für uns zunächst keine Priorität war, war der Verbrennungsmotor. Das änderte sich im Laufe des Programms", sagte er.
Als besonders großen unerwarteten Gewinn nannte Rushbrook Fortschritte bei additiver Fertigung und moderner Produktion. "Die Fähigkeit, Teile zu drucken, sie so schnell herzustellen, mit der nötigen Qualitätskontrolle, Präzision und Maßhaltigkeit - das hat uns viel weiter gebracht, als wir je erwartet hatten", sagte er. Davon habe nicht nur dieses Formel-1-Programm profitiert, sondern auch andere Rennprojekte von Ford.
Rushbrook betonte aber auch, dass das Kräfteverhältnis bei den neuen Power-Units noch schwer sauber zu lesen sei. Die 2026er Antriebe seien empfindlich gegenüber den Bedingungen auf der Strecke. "Diese Unterschiede bei verschiedenen Bedingungen müssen wir ebenfalls noch in den Griff kriegen", sagte er. Gemeint seien "Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, die Umgebung, in der gefahren wird", weil jeder Antrieb unterschiedlich sensibel auf solche Faktoren reagiere.
Deshalb fordert Rushbrook bei der FIA-Auswertung der Motorleistung über das ADUO-System nach dem Kanada-Grand-Prix mehr Einordnung statt reiner Zahlenbetrachtung. Man dürfe "nicht einfach blind auf die Daten schauen", sagte er, sondern müsse den Kontext der Bedingungen verstehen. Genau das dürfte mitentscheiden, wie der wahre Motorenvergleich zu Beginn der neuen Ära bewertet wird und ob Red Bull-Ford nur überraschend nah dran ist oder Mercedes tatsächlich weiter den Takt vorgibt.
© Eterna