Red Bull will auch dann weiter aggressive Setup-Risiken eingehen, wenn Max Verstappen die Richtung nicht bevorzugt. Nach dem Kanada-GP verteidigte Laurent Mekies genau diesen Ansatz und verwies darauf, dass das erste Podium der Saison 2026 in Montreal zugleich die Fortschritte aus Miami bestätigt habe.
Der Auslöser für die Debatte war Verstappens deutliche Kritik nach dem Qualifying, als er in Montreal nur Sechster geworden war. Gegenüber niederländischen Medien im Fahrerlager sagte der Red-Bull-Pilot: „Ich habe es schon so oft angesprochen, aber manchmal muss man sie selbst spüren lassen, dass es nicht funktioniert.“ Gemeint war eine Setup-Richtung, die er nicht wollte und die das Team dennoch ausprobierte.
Mekies machte klar, dass Red Bull daran nichts ändern wird. Der Red-Bull-Teamchef sagte Motorsport.com auf die Frage, ob der Ansatz in Montreal anders gewesen sei: „Absolut nicht.“ Man gehe Risiken ein, „jedes Mal, wenn wir nicht das Gefühl haben, dass wir die richtige Balance oder den richtigen Abstand zur Konkurrenz haben“. Genau das führe dazu, verschiedene Setup-Richtungen auszuloten, auch wenn sich die Fahrer dabei zunächst nicht wohlfühlen.
Dabei stellte Mekies die Meinungsverschiedenheiten nicht als Bruch dar, sondern als Teil des Arbeitsprozesses. „Unsere Fahrer sind vollständig in die Entscheidungen eingebunden“, sagte er. Am Ende entscheide man gemeinsam, was ausprobiert werde, auch wenn es danach manchmal ein kleines „Ich habe es dir doch gesagt“ gebe. Trotzdem, so Mekies, lerne man weiter gemeinsam, und genau diese Dynamik brauche es, um Fortschritte zu machen.
Red Bull sieht diesen Ansatz besonders zu Beginn des neuen Fahrzeugzyklus als notwendig an. Laut Mekies ist es „erst der Anfang des Jahres“ und „der Anfang mit dieser Fahrzeuggeneration“, deshalb werde das Team „Dinge mit unseren Fahrern ausprobieren, um etwas freizusetzen, auch wenn es uns etwas kostet“. Der Lerneffekt betreffe sowohl das Qualifying als auch das Rennen. „An diesem Wochenende haben wir viel gelernt“, sagte er und fügte hinzu: „Wie weit wir hier vom ultimativen Potenzial des Autos entfernt waren? Das weiß niemand wirklich.“
Das Ergebnis in Montreal gab der Linie zumindest teilweise recht. Verstappen wurde Dritter und holte Red Bulls erstes Podium des Jahres. Mekies wertete das als klares Signal für die jüngsten Updates. „Im großen Bild sehe ich, dass wir mindestens den Schritt von Miami bestätigt haben“, sagte er. Aus seiner Sicht habe Red Bull „sogar etwas mehr als den Miami-Schritt“ geschafft, weil man den schnellsten Teams noch etwas Performance abgenommen habe.
Dafür verwies Mekies auf die Abstände. Im Qualifying habe der Rückstand bei drei Zehnteln gelegen, nachdem Red Bull in Miami noch rund eine halbe Sekunde zurückgelegen habe. Auch im Rennen sei das Team näher dran gewesen als in Miami, wo der Abstand zum Sieger 40 Sekunden betragen hatte. Für Red Bull ist Montreal damit mehr als nur ein Podium: Es ist ein Hinweis darauf, dass der riskante Setup-Ansatz nicht aufgegeben wird, weil das Team darin weiter den Weg sieht, die Lücke zur Spitze zu schließen.
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