Red Bull hat klargestellt, dass Gianpiero Lambiase trotz seines bestätigten Wechsels zu McLaren bis Ende 2027 im Team bleibt und der Abschied nicht als sofortiger Verlust verstanden werden soll. Teamchef Laurent Mekies bestätigte bei Sky Sports und Sky F1, dass Max Verstappens langjähriger Renningenieur „für die nächsten zwei Jahre“ bei Red Bull bleibt und bezeichnete das Angebot aus Woking als einmalige Gelegenheit.
„Wir haben ‘GP’ die nächsten zwei Jahre bei uns“, sagte Mekies. Red Bull habe nicht das Gefühl, dass Lambiase bereits weg sei, weil er einen langfristigen Vertrag habe und man „noch ein paar Siege und Kämpfe zusammen“ bestreiten wolle. Zugleich machte Mekies deutlich, dass der Schritt seit langer Zeit vorbereitet worden sei. Lambiase habe „eine außergewöhnliche Chance erhalten“, und Red Bull respektiere, dass sich so eine Gelegenheit „nur einmal im Leben“ biete. Von einem Zerwürfnis wolle das Team deshalb nichts wissen: „Wir wünschen ihm für diesen nächsten Abschnitt nur das Beste.“
Die zentrale Botschaft aus Milton Keynes ist, dass sich an Lambiase’ Rolle kurzfristig nichts ändern soll. Mekies nannte ihn „einen fantastischen Profi“ und betonte, Red Bull wisse, dass er „absolut sein Bestes geben“ werde. Deshalb sei für das Team klar: „Natürlich werden wir ihn behalten.“ Wenn der Abschied später wirksam werde, wolle Red Bull den Schritt intern „in eine Chance für unsere eigenen Leute und für das Anforderungsprofil“ verwandeln, das man künftig abdecken wolle.
Besonders wichtig für Red Bull ist dabei, dass Verstappen in den Prozess eingebunden war. Mekies sagte, man spreche „praktisch täglich“ mit dem Weltmeister, der über „das volle Ausmaß der Gespräche“ mit Lambiase informiert gewesen sei. Verstappen stehe dem Projekt nicht von außen gegenüber, sondern arbeite „mit uns gemeinsam“ daran.
Der Niederländer selbst stellte sich öffentlich hinter die Entscheidung seines engen Vertrauten. Im Gespräch mit Viaplay sagte Verstappen, Lambiase wäre „dumm gewesen, es nicht anzunehmen“. Es sei „eine unglaubliche Chance für ihn, nicht nur wegen der Rolle an sich, sondern auch für seine Zukunft. Man muss auch an seine Familie und die langfristige Absicherung denken“.
Verstappen schilderte auch, wie deutlich er Lambiase zum Wechsel geraten habe. „Er sagte mir, dass er es von mir hören wollte, und ich meinte: ‘Zu 100 Prozent solltest du das einfach machen’. Wir haben bereits alles zusammen erreicht, und das mehr als einmal. Wir haben viel gewonnen, daran wird sich nichts ändern.“ Damit stützt ausgerechnet der Fahrer, dessen Zusammenarbeit mit Lambiase über Jahre zu den Konstanten bei Red Bull gehörte, die Linie des Teams: Der Abschied kommt, aber erst später.
Bei McLaren soll Lambiase spätestens 2028 die Rolle des Chief Racing Officer übernehmen und Teamchef Andrea Stella an der Strecke entlasten. Er ist damit bereits der dritte hochrangige Red-Bull-Mitarbeiter, den McLaren in den vergangenen Jahren verpflichtet hat, nach Rob Marshall und Will Courtenay.
Für Red Bull ist der Fall deshalb mehr als nur ein Personalwechsel zu einem direkten Rivalen. Das Team versucht, einen potenziell heiklen Abgang als geordneten Übergang zu kontrollieren und zugleich klarzumachen, dass Verstappens wichtigste Stimme am Funk in den nächsten zwei Saisons noch Teil des aktuellen Projekts bleibt.
© Spencer