Audi geht in den Miami Grand Prix als faktischer Neustart seines jungen Formel-1-Projekts, weil beim ersten USA-Einsatz des Teams Allan McNish erstmals als neuer Racing Director an der Strecke Verantwortung übernimmt, nachdem Jonathan Wheatley das Team überraschend verlassen hat.
Für Audi markiert das vierte Saisonrennen damit mehr als nur die Rückkehr nach einer fünfwöchigen Pause. Nach den ersten drei Grands Prix der Hersteller-Ära in Australien, China und Japan hat das Team seine Abläufe neu geordnet. McNish wird die Aktivitäten vor Ort gemeinsam mit Operations Director Mattia Binotto leiten, wobei sein Schwerpunkt auf der sportlichen Seite des Einsatzes liegt. „Dieses Wochenende ist natürlich ein sehr stolzer Moment für mich, da ich diese neue Rolle im Team übernehme“, sagte Allan McNish, neuer Racing Director des Audi Revolut F1 Teams. „Ich war in den letzten Jahren auf unterschiedliche Weise Teil dieser Reise und freue mich auf dieses nächste Kapitel, während wir unser Projekt weiter vorantreiben.“
Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der Audi zwar eine brauchbare Grundlage sieht, die Ergebnisse aber noch deutlich hinter dem angedeuteten Potenzial liegen. Beide Autos konnten sich immer wieder in die Nähe der Top 10 arbeiten, dazu kamen Punkte gleich beim Saisonauftakt durch Gabriel Bortoleto. Dennoch steht das Team weiter nur bei diesen zwei Zählern, zweimal erreichte Audi den Grand Prix gar nicht, und wiederkehrende kleinere Probleme, etwa bei Boxenstopps, kosteten zusätzlich Boden.
Gerade deshalb ist Miami für McNish die erste echte Standortbestimmung nach der April-Pause. „Nach einigen Wochen abseits der Strecke und den ersten drei Rennen des Teams, in denen jeder unglaublich hart gearbeitet hat, ist Miami eine Chance zu sehen, wo wir im Vergleich zur Konkurrenz stehen“, sagte er. Audi habe „alle Daten der ersten Rennen detailliert analysiert“ und sich auf die Bereiche konzentriert, „die den Unterschied ausmachen können“. Entscheidend sei nun, diese Erkenntnisse bei einem Sprint-Wochenende umzusetzen, „wo alles komprimierter ist und die Fehlertoleranz sinkt“.
Der sportliche Druck ist klar: Audi will aus ordentlicher Top-10-Nähe endlich regelmäßige Punkte machen. Nico Hülkenberg reist nach zwei elften Plätzen in Folge mit genau diesem Ziel nach Florida. „Es ist gut, nach ein paar Wochen Pause zurück zu sein“, sagte der Deutsche. Die Unterbrechung habe geholfen zu verstehen, „wo wir stehen und was wir verbessern müssen, vor allem dabei, ein komplettes Wochenende fehlerfrei zusammenzubekommen“.
Für Hülkenberg ist genau das die zentrale Aufgabe in Miami. „Jetzt geht es um die Umsetzung“, sagte er. Wegen des Sprintformats zähle „wirklich jede Session“, weshalb der Fokus darauf liege, „die Dinge schnell auf den Punkt zu bringen und uns eine echte Chance zu erarbeiten, um Punkte zu kämpfen“.
Auch Bortoleto verbrachte die rennfreie Zeit nicht abseits des Projekts, sondern arbeitete in Hinwil und Neuburg mit dem Team weiter an Verbesserungen. „Das war nützlich, aber jetzt freue ich mich wirklich darauf, wieder im Auto zu sitzen“, sagte er. Sein Ansatz für Miami passt zu Audis größerem Anspruch: „Das Ziel ist es, das gesamte Wochenende besser zu gestalten, das einzige Training bestmöglich zu nutzen und von Beginn an in einer guten Position zu sein.“
Damit wird Miami für Audi sofort zum Testfall für zwei offene Fragen zugleich: ob die Neuaufstellung an der Strecke unter McNish schnell greift und ob das Team seine bislang nur phasenweise sichtbare Pace endlich in weitere Saisonpunkte umwandeln kann.
© Spencer