© Jonathan Borba

Red Bull erzwingt FIA-Prüfung der ADUO-Wertung

Red Bull-Ford hat die FIA zu einer erneuten Prüfung ihrer ersten ADUO-Einstufung gezwungen, nachdem der Hersteller in der internen Rangliste als Referenz bei der Leistung des Verbrennungsmotors eingestuft wurde und Laurent Mekies die Datengrundlage dafür offen anzweifelte.

Die erste ADUO-Periode umfasst die Formel-1-Rennen bis zum Großen Preis von Kanada. Die FIA informierte die Hersteller bereits am Monaco-Wochenende über das Ergebnis, eine öffentliche Bekanntgabe steht aber weiter aus. Nach den bislang mitgeteilten Zahlen liegt Red Bull bei der ICE-Leistung vorn, Mercedes hätte damit eine zusätzliche Entwicklungsmöglichkeit, Ferrari, Audi und Honda jeweils zwei.

Auslöser für die Verzögerung ist Red Bulls Antrag auf zusätzliche Überprüfungen. Dabei geht es laut Mekies zunächst um eine sachliche Verifikation, also darum, ob Sensoren und Datenpunkte korrekt erfasst und bewertet wurden. Grundsätzlichen Widerspruch gegen das System erhebt Red Bull nach seiner Darstellung nicht. Laurent Mekies, Red-Bull-Teamchef, sagte nach dem Spanien-Grand-Prix auf eine Frage von Motorsport-Total.com: „Nein, wir sind völlig damit einverstanden, dass die Regeln vorsehen, nur zu versuchen, die Hackordnung der ICE-Leistung abzuschätzen. Damit sind wir vollkommen einverstanden. Darauf haben wir uns alle geeinigt, und wir glauben nicht, dass das das Problem ist.”

Damit bezog er sich auf Gespräche im Frühjahr 2025. Damals hatte FIA-Formelsportdirektor Nikolas Tombazis nach Mekies' Darstellung signalisiert, dass auch komplexere Parameter denkbar gewesen wären, am Ende hätten sich Teams und Hersteller aber gemeinsam auf ein möglichst einfaches Modell verständigt, das nur die Leistung des Verbrennungsmotors bewertet. Brisant bleibt das, weil die aus der ADUO-Einstufung folgenden Tokens nicht nur am ICE eingesetzt werden können, sondern auch an anderen Komponenten der Power Unit wie Batterie und MGU-K.

Red Bulls eigentlicher Einwand richtet sich deshalb gegen das Ergebnis, nicht gegen das Prinzip. Mekies sagte: „Wir möchten auf jeden Fall eine vertiefte Diskussion führen, weil wir kein einziges Datenbeispiel sehen, das darauf hindeutet, dass wir einen Vorteil gegenüber unseren Freunden bei Mercedes haben.”

Zur Untermauerung verwies er auf die Formkurve von Strecke zu Strecke. Kanada sei ein Kurs mit hoher Sensitivität für ICE-Leistung, dort qualifizierte sich Red Bull auf Platz sechs. In Monaco, wo dieser Faktor viel kleiner sei, habe das Team nur rund 0,04 Sekunden auf die Pole verloren. In Barcelona, aus seiner Sicht wieder eine Strecke mit hoher ICE-Sensitivität, stand erneut Rang sechs in der Qualifikation. „Wir sehen kein einziges Datenbeispiel, in dem wir uns höher einschätzen als die Konkurrenz - geschweige denn konstant über ihnen liegen”, sagte Mekies.

Gerade deshalb hält Red Bull die Folgen der Einstufung für potenziell gravierend. Bleibt die FIA bei ihrer Wertung, könnte Mercedes seine zusätzliche Entwicklungsmöglichkeit theoretisch erst nach den nächsten ADUO-Bewertungen einsetzen oder im elektrischen Teil der Power Unit verwenden. Für Red Bull wäre das riskant, weil eine möglicherweise fehlerhafte Einordnung direkte Auswirkungen auf die weitere Entwicklungsverteilung hätte.

Mekies formulierte den Maßstab dafür entsprechend hoch: „Man braucht ein extrem hohes Maß an Sicherheit bei der Bewertung der ICE-Hackordnung, um das richtige Vertrauen zu haben, diese [Upgrades] dem dominierenden Team zuzuschreiben und nicht dem Team, das das dominierende Team verfolgt.” Er verwies dabei auch auf „relative Leistungsschwankungen von Strecke zu Strecke“, die aus seiner Sicht „perfekt mit der Sensitivität der ICE-Leistung übereinstimmen“. Damit ist die erste ADUO-Wertung nicht nur eine technische Debatte über Messdaten, sondern ein möglicher Eingriff in die Entwicklungsrichtung der Motorenhersteller für 2026 und 2027.