McLaren und Red Bull haben nun formell Berufung gegen die FIA-Entscheidung eingelegt, Pierre Gaslys zwei Fünf-Sekunden-Strafen nach dem Grand Prix von Monaco 2026 aufzuheben und dem Alpine-Piloten Platz drei zurückzugeben.
Damit ist aus einer nachträglichen Korrektur des Monaco-Ergebnisses ein Grundsatzstreit über die sportliche Fairness geworden. Auslöser war ein Messproblem bei der Erfassung der Boxengassengeschwindigkeit am speziellen Monaco-Pitlane-Eingang. Alpine hatte in einem Right of Review neue Belege vorgelegt, woraufhin die Stewards am Freitag zu dem Schluss kamen, dass Gasly und vier weitere Fahrer wegen des von Formula One Management gelieferten Messfehlers zu Unrecht bestraft worden waren.
Der Fall ist vor allem deshalb so brisant, weil Gaslys Strafen gestrichen wurden, obwohl andere Fahrer ihre Sanktionen bereits während des Rennens abgesessen hatten. In der revidierten Wertung rückte Gasly von Rang sieben zurück auf das Podium, Isack Hadjar verlor sein zunächst geerbtes erstes Formel-1-Podium wieder und Oscar Piastri fiel um eine Position zurück.
McLaren bestätigte seinen Schritt in einer Teammitteilung. Das Team erklärte, es habe „formell eine Berufungserklärung beim Internationalen Berufungsgericht der FIA zu den folgenden Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Grand Prix von Monaco 2026 eingereicht: Stewards-Dokument 99, überarbeitete endgültige Rennklassifikation Dokument 100, überarbeitete WM-Punktedokument 101“. Zugleich betonte McLaren, der Fall werfe „wichtige Fragen zur sportlichen Fairness, zur Einheitlichkeit der Regelauslegung und zur Integrität des Wettbewerbs“ auf.
Inhaltlich zielt McLarens Argumentation auf die unterschiedliche Behandlung gleicher Sachverhalte. Das Team erklärte, während des gesamten Monaco-Wochenendes hätten „alle Teams nach den Regeln und den etablierten Standardpraktiken“ für das Tempolimit in der Boxengasse gearbeitet. Weiter hieß es: „Aus unserer Sicht schafft die nachträgliche Aufhebung von Strafen eine Situation, in der einige Teilnehmer benachteiligt werden, weil sie im Einklang mit den Regeln und den Entscheidungen der Stewards gehandelt haben.“ McLaren stellte zugleich klar, die Berufung richte sich nicht gegen einen einzelnen Konkurrenten, sondern gegen die aus seiner Sicht inkonsistente Anwendung des sportlichen Rahmens.
Red Bull hat sich zu seinem eigenen Verfahren öffentlich nicht geäußert, mehrere Berichte gehen aber übereinstimmend davon aus, dass auch das Team aus Milton Keynes den Fall vor das FIA-Berufungsgericht gebracht hat, nachdem Hadjar den dritten Platz wieder an Gasly verloren hatte.
Parallel dazu versucht Mercedes einen anderen juristischen Weg. Teamchef Toto Wolff hatte bereits in Barcelona angekündigt, ein eigenes Right of Review einzureichen, und das Team hat die nötigen Unterlagen inzwischen eingereicht. Ob der Antrag überhaupt zulässig ist, ist noch offen. Gerade das zeigt, warum der Monaco-Fall für mehrere Teams relevant bleibt: Es geht längst nicht mehr nur um Gaslys Podium, sondern um die Frage, wie die Formel 1 mit fehlerhaften, im Rennen bereits vollstreckten Strafen umgeht und ob sich ein nachträglich korrigiertes Ergebnis mit einem konsistenten sportlichen Verfahren vereinbaren lässt.
© Jonathan Borba