Max Verstappen hat am Mittwoch in Silverstone das komplette 200-km-Programm von Red Bull abgespult und dabei einen RB22 mit mehreren sichtbaren Neuteilen bewegt, während das Team zehn Tage vor dem Grand Prix von Miami erste Streckendaten für sein bislang deutlichstes Update-Paket sammelte.
Der Einsatz fand am 22. April 2026 im Rahmen eines Filming Days statt, von denen jedes Team pro Saison nur zwei nutzen darf. Solche Tage sind auf 200 km begrenzt und werden auf nicht offiziellen Pirelli-Reifen gefahren, erlauben aber den Einsatz neuer Teile, um die Korrelation zwischen Windkanal und Strecke zu überprüfen und erste Daten zu gewinnen. Verstappen war der einzige Fahrer, der die volle Distanz auf dem englischen Kurs absolvierte.
Die Bedeutung des Runs liegt weniger in der Kilometerzahl als in dem, was auf den geleakten Bildern aus der nicht öffentlichen Session zu sehen war. Red Bull scheint mehrere Bereiche des RB22 gleichzeitig überarbeitet zu haben. Erkennbar waren ein neuer Frontflügel, geänderte Seitenkästen mit einem deutlich schärferen Knick oder Abfall in der Mitte des oberen Karosseriebereichs, dazu ein neuer Heckflügel mit verändertem Aktivierungs- beziehungsweise Drehpunkt des beweglichen Elements.
Auch weiter vorne fiel eine Lösung an den Endplatten des Frontflügels auf, die inzwischen bei mehreren Autos im Feld zu sehen ist und die nach unten gerichtete Turbulenz kontrollieren soll. Dazu wurde über ein Luftleitblech oder eine Art Windabweiser am vorderen Halo-Pfeiler berichtet, beschrieben als Lösung im Stil von Ferrari, um die Strömung umzulenken. Weitere Anpassungen sollen Motorabdeckung, Sharkfin und möglicherweise den Unterboden sowie weitere aerodynamische Anbauteile betreffen.
Für Red Bull ist dieses Update-Paket ein direkter Versuch, einen schwachen Saisonstart zu korrigieren. Nach Angaben aus dem Fahrerlager lag das Problem bislang nicht in erster Linie im Vergleich der Antriebseinheiten mit Mercedes, sondern vor allem in Schwächen des RB22 bei Chassis und Aerodynamik. Genannt wurden rund 10 kg Übergewicht und zu wenig Abtrieb. Auch schlechte Aufhängungen und ein schlechtes Startsystem wurden als Belastung für Verstappens bisher schwierigsten Start in eine Red-Bull-Saison seit 2017 beschrieben.
Silverstone könnte für das Team noch einen zweiten Zweck erfüllt haben. Laut den Berichten ist es gut möglich, dass Red Bull dort auch Änderungen rund um Batteriemanagement und Superclipping erstmals ausprobierte. Diese Anpassungen wurden bei einem Treffen von FIA, Teams und Motorenherstellern am 20. April beschlossen und sollen, sofern es bei der offiziellen Abstimmung keine größere Kehrtwende gibt, ab dem nächsten Rennen in Miami in Kraft treten.
Ob die überarbeitete Version des RB22 Verstappen tatsächlich wieder in Richtung Podestkampf bringt, wird sich damit schon in gut zehn Tagen in Miami zeigen.
© Jonathan Borba