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Colton Herta startet Cadillac-FP1 in Barcelona

Cadillac hat bestätigt, dass Colton Herta in Barcelona sein offizielles Debüt an einem Formel-1-Wochenende geben wird und im Rahmen eines Programms mit vier Rookie-Einsätzen weitere FP1-Sessions erhalten soll. Für den 26-jährigen US-Amerikaner wird der Weg Richtung Formel 1 damit konkret, auch wenn er wegen fehlender Superlizenz-Punkte derzeit nur Testfahrer und nicht Reservefahrer des Teams ist.

Die Einsätze sind für Herta mehr als nur Pflichttermine im Rookie-Programm. Sie sind ein direkter Teil seiner Bewerbung für ein mögliches Cadillac-Cockpit in der Zukunft, parallel zu seiner Formel-2-Saison. Im Podcast Beyond The Grid sagte Herta, es sei immer sein Ziel gewesen, in die Formel 1 zu kommen, und der Wechsel in die Formel 2 solle ihn "so gut wie möglich darauf vorbereiten, ein Formel-1-Fahrer zu sein, mit Cadillac im Hinterkopf". Dass sich das nun in Barcelona erstmals auf einer offiziellen F1-Bühne zeigt, bezeichnete er als "etwas ganz Besonderes".

Barcelona ist aus seiner Sicht ein naheliegender Ort für diesen Schritt. Herta fuhr dort 2016 in der Euroformula Open, wurde im ersten Rennen Zweiter und gewann das zweite. Seitdem war er nach eigener Aussage zwar nicht mehr dort, dennoch hält er die Strecke weiterhin für vertraut. Er sagte, der Kurs habe sich nicht allzu sehr verändert, sei durch den Wegfall der letzten Schikane aber schneller geworden. Dass er nur wenige Kurven neu lernen müsse, komme ihm entgegen: "Wenn ich also nur zwei Kurven neu lernen muss, ist das völlig okay." Entsprechend erwartet er, sich dort "ziemlich wohl" zu fühlen.

Für Cadillac ist der Auftritt trotzdem keine Formsache. Herta machte klar, dass es bei dem FP1-Einsatz nicht nur darum geht, persönlich schnell zu sein. "You want to be fast in any car you drive, and this isn't going to be any different", sagte er, betonte aber vor allem den Blick des Teams: "The biggest goal is they need to see value in me doing it. The team needs to see value, and they need to come out of it positively." Seine Vorbereitung darauf soll in den kommenden Wochen intensiver werden, nachdem das Simulationsprogramm laut Herta nun deutlich hochgefahren wird.

Die Grundlage für eine spätere Rennfahrerrolle muss er sich nach eigener Einschätzung vor allem über Leistung erarbeiten. In einem Exklusivinterview mit Autosport sagte Herta, am Ende laufe es "wahrscheinlich einfach auf die reine Geschwindigkeit hinaus". Genau darauf verweist er auch mit seiner Bilanz aus der IndyCar-Serie, in der er 16 Pole-Positions holte. 15 davon gelangen auf permanenten Straßenkursen, also auf Strecken, die eher mit dem europäischen Formelsport vergleichbar sind.

Dass Tempo allein nicht reicht, hat sein schwieriger Formel-2-Einstand in Melbourne gezeigt. Nach einem Unfall acht Runden nach Beginn des einzigen Trainings qualifizierte sich Herta nur auf Rang 14, arbeitete sich im Hauptrennen aber noch auf Platz sieben nach vorn und holte damit seine ersten Saisonpunkte. Rückblickend sprach er von einigen guten, aber auch vielen schlechten Aspekten und räumte ein, sich mit dem Unfall selbst zu stark geschadet zu haben. Zugleich sah er in der Rennpace eine positive Basis, machte aber klar, wie wichtig das Qualifying in der Formel 2 ist, um regelmäßig in Punktepositionen zu kommen.

Gerade deshalb bekommt der Barcelona-Termin zusätzliches Gewicht. Herta sammelt dort nicht nur seine ersten offiziellen F1-Kilometer im Grand-Prix-Umfeld, sondern zeigt Cadillac auch, ob er den nächsten Schritt auf dem Weg zu einem möglichen Formel-1-Cockpit 2026 untermauern kann.