Racing Bulls ist nach Liam Lawsons Ausfall im einzigen Training zum Kanada-Sprint mit 30.000 Euro bestraft worden, weil das nach Artikel C9.3 vorgeschriebene Clutch Disengagement System an Auto 30 nicht funktionierte und die Session deshalb mit Rot statt unter Virtual Safety Car neutralisiert werden musste.
Die Rennkommissare kamen nach Anhörungen von Lawson, Teamvertretern, dem FIA-Technischen Delegierten und dem FIA-Elektronikingenieur sowie nach Auswertung von Telemetrie und Onboard-Video zu dem Schluss, dass eine gerissene Verbindung ein Hydraulikleck verursacht hatte. Dadurch kam Lawsons VCARB 03 innerhalb der ersten zehn Minuten zum Stillstand. Als ein Streckenposten anschließend das CDS aktivierte, löste das System die Kupplung nicht, sodass der Wagen nicht bewegt werden konnte.
Genau dafür ist das System im Reglement vorgeschrieben. Artikel C9.3 verlangt, dass jedes Auto über eine Vorrichtung verfügt, die bei abgestelltem Motor die Kupplung für mindestens 15 Minuten entriegelt und während des gesamten Wettbewerbs funktionsfähig bleibt, selbst wenn die Hauptsysteme für Hydraulik, Pneumatik oder Elektrik ausgefallen sind. Ausgelöst wird sie über einen deutlich markierten Knopf auf der Oberseite des Monocoques.
Die Kommissare bewerteten den Fall entsprechend scharf. In ihrer Mitteilung heißt es: „Dies ist eine ernste Angelegenheit. Sie führte dazu, dass die Session mit der roten Flagge unterbrochen werden musste. Hätte das System so funktioniert, wie es das Reglement vorsieht, hätte der Vorfall schnell durch den Einsatz des virtuellen Safety-Cars geregelt werden können.“
Brisant wurde der Fall auch deshalb, weil die FIA das Design des Systems bei Racing Bulls bereits auf dem Zettel hatte. Laut Rennkommissaren wies der Technische Delegierte auf die Doppelfunktion des CDS an diesem Auto hin: Es dient nicht nur der Kupplungsentriegelung, sondern ist auch mit dem Anti-Stall-System verknüpft. Nach Angaben des Technischen Delegierten war das Team bereits 2025 wegen des CDS-Designs seiner Autos gewarnt worden.
Von den 30.000 Euro Strafe sind 20.000 Euro für zwölf Monate auf Bewährung ausgesetzt. Fällig werden damit zunächst 10.000 Euro, solange sich Racing Bulls in diesem Zeitraum mit keinem seiner beiden Autos keinen weiteren Verstoß gegen das Reglement leistet.
Der Vorfall führte aber nicht nur zu einer Sanktion gegen das Team. Lawson sagte den Kommissaren, die Streckenposten hätten entgegen seiner Anweisungen und entgegen der üblichen Praxis zunächst versucht, das stehende Auto zu schieben. Zudem habe der Marshal, der das CDS aktivieren wollte, zuerst einen Knopf an der Onboard-Kamera statt den CDS-Knopf gedrückt. Die FIA leitete daraus zusätzlichen Trainingsbedarf ab und hielt fest, dass die vorhandenen Vorgaben für Bergungen wohl durch praktische Schulungen der Organisatoren ergänzt werden müssen.
© Jonathan Borba