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Racing Bulls bringt Alpine um P5 in Bedrängnis

Nach Silverstone liegt Alpine in der Konstrukteurswertung nur noch mit 60 zu 59 Punkten vor Racing Bulls, und der Grund für diesen Umschwung ist im Fahrerlager klar benannt: Seit dem großen Unterboden-Update in Kanada ist Racing Bulls das stärkste Team hinter den vier Topteams Mercedes, Ferrari, McLaren und Red Bull.

Was vor Silverstone noch wie eine vorsichtige Mahnung von Alpine-Geschäftsführer Steve Nielsen wirkte, wurde an einem chaotischen Wochenende Realität. Racing Bulls holte über Sprint und Grand Prix neun Punkte, Alpine nur drei, womit ein Vorsprung von 13 Punkten auf einen einzigen zusammenschmolz. Damit hat sich der Kampf um Rang fünf nicht nur zugespitzt, sondern auch in der sportlichen Wahrnehmung verschoben: Racing Bulls gilt inzwischen als Favorit im direkten Duell.

Arvid Lindblad machte den Auslöser des Leistungssprungs deutlich. Der Racing-Bulls-Pilot sagte über das Kanada-Paket: „Es war ein riesiges Update. Im Grunde hat sich die gesamte Philosophie des Unterbodens verändert.“ Der Effekt gehe weit über einen kleinen Fortschritt hinaus. „Er ist eindeutig deutlich besser geworden und genau deshalb funktioniert das Auto jetzt auf praktisch jeder Strecke“, sagte Lindblad.

Gerade diese Vielseitigkeit macht den Aufschwung so relevant. Seit Montreal ist Racing Bulls auf sehr unterschiedlichen Kursen konkurrenzfähig, in schnellen Kurven ebenso wie in langsamen Passagen und auf verschiedenen Asphaltoberflächen. Lindblad führte das nicht auf ein einzelnes Bauteil zurück, sondern auf ein besseres Gesamtverständnis des Autos. „Wir befinden uns immer noch relativ früh in diesem Reglement“, sagte er. „Wenn man die Grundlagen des Autos richtig versteht, funktioniert das Auto am Ende überall.“ Nach seiner Einschätzung nutzte das Team die ersten Saisonrennen, um die Schwächen des ursprünglichen Konzepts zu erkennen: „Ich glaube, das Team hat die ersten Rennen genutzt, um das Auto wirklich zu verstehen. Und in Kanada haben sie es dann perfekt umgesetzt.“

Aus Kanada wurde dann kein einmaliger Treffer, sondern ein Entwicklungslauf. Auf die neue Unterboden-Geometrie folgten ein neuer Diffusor in Barcelona, weitere Detailänderungen daran in Österreich und schließlich ein weiterer Geometrie-Umbau in Silverstone. Racing Bulls hat damit die entscheidende Entwicklungsrichtung gefunden und sie Rennen für Rennen weiter geschärft.

Bei Alpine wird dieser Trend längst nicht mehr kleingeredet. Pierre Gasly räumte offen ein, dass der Rivale zuletzt besser gearbeitet hat. „Wenn wir ehrlich sind, hat VCARB in den vergangenen Wochen einfach einen besseren Job gemacht“, sagte der Alpine-Fahrer. „Sie haben wirkungsvollere Updates an ihr Auto gebracht.“ Als Maßstab nannte er ausgerechnet Silverstone: „Ihre Pace in Silverstone war gewaltig. Sie lagen im Qualifying nur zwei Zehntelsekunden hinter dem schnellsten Red Bull. Davor kann man nur den Hut ziehen.“

Für Alpine ist das besonders brisant, weil kurzfristig keine direkte Antwort kommt. Gasly bestätigte vor Belgien: „Wir bringen an diesem Wochenende keine Updates mit.“ Entsprechend rechnet er nicht mit einer schnellen Korrektur der Kräfteverhältnisse. „Deshalb rechnen wir nicht mit einer wesentlich anderen Reihenfolge“, sagte er. Noch deutlicher wurde er beim Blick auf das direkte Duell: „Wir erwarten eine große Herausforderung, überhaupt mit ihnen kämpfen zu können.“ Selbst mit Arbeit am bestehenden Paket bleibe die Lage vorerst dieselbe, weil Alpine „im Moment schlicht nicht die Pace“ habe, um Racing Bulls ernsthaft unter Druck zu setzen.

Damit hat sich der Kampf um Platz fünf in der Formel 1 innerhalb weniger Wochen gedreht. Alpine führt zwar noch knapp, doch Racing Bulls hat mit dem Kanada-Unterboden und den nachfolgenden Ausbaustufen den technischen Impuls gesetzt, der nun die Richtung dieses Duells bestimmt.