Ferrari hat mit Charles Leclercs Sieg beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone den 250. Formel-1-WM-Laufsieg erreicht und damit einen Meilenstein gesetzt, der weit über dieses eine Wochenende hinausreicht. Für Leclerc selbst war der Erfolg ebenfalls bedeutend, weil er damit nach 623 Tagen wieder die Spitze der Gesamtwertung übernahm.
Das Gewicht dieser Marke ist bei Ferrari größer als bei jedem anderen Team. Die Scuderia ist laut den vorliegenden Angaben weiterhin das erfolgreichste Team der Formel 1 und zugleich das einzige, das seit der ersten Weltmeisterschaftssaison ununterbrochen im Feld vertreten ist. Silverstone verbindet damit Gegenwart und Ursprung der Ferrari-Geschichte auf besondere Weise.
Denn genau dort begann sie auch auf Siegerseite. Beim Grand Prix von Großbritannien 1951 holte Jose Froilan Gonzalez zunächst Ferraris erste Poleposition und setzte sich dann in einem 90-Runden-Rennen gegen die Alfa Romeos durch. Nach seinem Duell mit Juan Manuel Fangio in der ersten Rennhälfte gewann Gonzalez am 14. Juli mit 51 Sekunden Vorsprung und bescherte Ferrari den ersten Grand-Prix-Sieg der Teamgeschichte.
Von dort aus führen die markanten Wegpunkte durch praktisch jede große Ferrari-Ära. Alain Prost brachte der Scuderia 1990 in Frankreich den 100. Sieg, nachdem er sich nach seinem Boxenstopp noch an den Leyton-House-Fahrern Mauricio Gugelmin und Ivan Capelli vorbeikämpfen musste und Capelli vier Runden vor Schluss überholte.
Auch mehrere Schlüsselmomente einzelner Fahrer sind Teil dieser Linie. Niki Lauda holte 1974 in Jarama seinen ersten Ferrari-Sieg und zugleich den 50. des Teams, obwohl der 312B3 damals immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Michael Schumacher gelang 1996 in Barcelona sein erster Sieg für Ferrari unter extrem nassen Bedingungen, nachdem er trotz Problemen am Start ab Runde 13 die Führung übernommen hatte und am Ende 45 Sekunden Vorsprung hatte. Nur sechs Fahrer erreichten das Ziel.
Schumachers Erfolg in Japan 2000 gehört in diesem Rückblick zu den folgenreichsten Siegen überhaupt. Gegen Mika Häkkinen drehte Ferrari das Rennen über den zweiten Boxenstopp, als Schumacher mit einem längeren zweiten Stint nach vorne kam. Der Sieg brachte ihm den dritten WM-Titel insgesamt, den ersten für Ferrari und den ersten Fahrertitel für die Scuderia seit 21 Jahren.
Dass Ferrari solche Marken nicht nur aus der Vergangenheit bezieht, unterstreicht auch Sebastian Vettels Sieg in Malaysia 2015. Erst im zweiten Rennen für die Scuderia schlug er Mercedes, nachdem Ferrari ihn während einer frühen Safety-Car-Phase draußen gelassen hatte, während Lewis Hamilton und Nico Rosberg stoppten. Vettel verteidigte die Führung anschließend bis ins Ziel.
So wird Silverstone 2026 in diesem Zusammenhang mehr als nur Leclercs nächster Sieg. Als Ferrari-Erfolg Nummer 250 steht er in einer Linie, die bei Gonzalez in Silverstone begann, über Prost, Lauda, Schumacher und Vettel führte und Ferraris Sonderstellung in der Formel-1-Geschichte erneut unterstreicht.
© Wastrick