Sergio Pérez hat offen geschildert, dass Red Bull ihm schon vor seinem Wechsel unmissverständlich klarmachte, dass das Projekt ganz auf Max Verstappen ausgerichtet war, und genau das habe den zweiten Sitz neben dem Niederländer zum „härtesten Job in der Formel 1“ gemacht.
Im Podcast High Performance sagte der Mexikaner, Christian Horner habe die Hierarchie bereits im ersten Gespräch vor seinem Red-Bull-Debüt 2021 deutlich formuliert. „Wir fahren mit zwei Autos, weil wir es müssen. Andernfalls würden wir liebend gern mit nur einem Auto fahren“, habe Horner ihm gesagt. Dazu sei die Botschaft gekommen: „Alles ist für Max, alles dreht sich um Max. Wir wollen die Meisterschaft gewinnen.“ Pérez betonte, dass er sich dadurch über seine Rolle nie getäuscht gefühlt habe.
Statt gegen diese Struktur anzukämpfen, habe er sie akzeptiert. Pérez sagte, er habe sich darauf konzentriert, „in allen Bereichen das Maximum“ aus den vorhandenen Mitteln herauszuholen, statt sich zu fragen, warum die Lage so sei. Auf seine vier Jahre bei Red Bull blickt er deshalb trotz allem mit Stolz zurück. Er sagt, er habe dort „in jeder Hinsicht die Erwartungen übertroffen“, behielt in dieser Zeit dasselbe Ingenieursteam und holte fünf Siege sowie 29 Podestplätze.
Sein Punkt sei nicht persönlicher Frust, sondern ein strukturelles Problem. „Gegen Max bei Red Bull anzutreten, ist das Härteste“, sagte Pérez. Schon gegen Verstappen selbst zu fahren sei schwierig, aber im Red-Bull-Umfeld mit „seinem Team, seinen Ingenieuren und seinem Umfeld“ werde die Aufgabe noch einmal deutlich härter. Die besten Möglichkeiten, erfahrene Ingenieure und das gesamte Umfeld gingen aus seiner Sicht an Verstappen. Pérez sagte, er habe das schon vor seiner Unterschrift gewusst und sich deshalb entschieden, sich nicht zu beschweren, sondern mit dem zu arbeiten, was ihm zur Verfügung stand.
Als Beleg führte Pérez an, dass die Probleme aus seiner Sicht nicht bei einzelnen Fahrern endeten. Er sagte, Red Bull habe vergessen, wie schwierig diese Rolle sei. Liam Lawson sei „nach zwei Rennen“ wieder raus gewesen, und auch Yuki Tsunoda habe am Ende der Saison weit hinter Verstappen gelegen, mit 33 Punkten gegenüber 421 des Weltmeisters. Pierre Gasly und Alexander Albon bezeichnete Pérez als sehr schnelle und talentierte Fahrer, fügte aber hinzu, „dieses System bricht sie“.
Trotz der klaren Hierarchie stellte Pérez Verstappens Klasse nicht infrage. Er beschrieb ihn als „einen echten Anführer“, der genau wisse, in welche Richtung sich das Team entwickeln müsse und was dafür nötig sei. Gerade deshalb wiege die Aufgabe auf der anderen Seite der Garage so schwer.
Die letzten Monate bei Red Bull seien für ihn dann „wirklich hart“ und am Ende „toxisch“ geworden, sagte Pérez. Nach einer sieglosen Saison 2024 mit vier Podestplätzen verließ er das Team, nahm 2025 eine Auszeit und kehrte später mit Cadillac in die Formel 1 zurück. Seine Schilderung legt nahe, dass bei Red Bull nicht nur ein Fahrerduell verloren geht, wenn der zweite Sitz scheitert, sondern ein System sichtbar wird, das weiterhin fast vollständig um Verstappen gebaut ist.
© Morio