© Jonathan Borba

Pirelli sammelt mit Gasly 900 km Reifendaten

Pirelli hat mit Alpine und Pierre Gasly in Magny-Cours über zwei Testtage mehr als 900 Kilometer abgespult, um die Entwicklung künftiger Formel-1-Regenreifen voranzutreiben. Auf einer künstlich bewässerten Strecke sammelte der Hersteller gezielt Daten für Full-Wet- und Intermediate-Konzepte, die die Leistung bei Nässe verbessern sollen.

Gasly kam dabei auf 101 Runden und 446 Kilometer am ersten Tag sowie 103 Runden und rund 454 bis 456 Kilometer am zweiten. Damit lieferte der Franzose nahezu 900 Kilometer an Laufleistung, obwohl die Bedingungen nicht durch natürliches Regenwetter entstanden, sondern von Pirelli kontrolliert hergestellt wurden. Weil kein Regen vorhergesagt war, wurde der Kurs gleichmäßig bewässert, um für beide Regenreifen-Arten vergleichbare Bedingungen zu schaffen.

Genau das war der Kern des Tests. Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf dem Full-Wet-Programm, am zweiten wurde die Arbeit aufgeteilt: zunächst weitere Varianten für den Regenreifen, später die Entwicklung des Intermediate. Gasly fuhr dabei eine Bestzeit von 1:37,816 Minuten auf Regenreifen am ersten Tag und 1:31,457 Minuten auf Intermediates am zweiten.

Die Temperaturen blieben dabei in einem engen Fenster, was für die Auswertung wichtig war. Die Luft lag bei etwa 19 bis 20 Grad, die Streckentemperatur bei maximal 27 bis 29 Grad. Pirelli konnte so unterschiedliche Reifenspezifikationen unter reproduzierbaren Bedingungen vergleichen, statt auf wechselhafte natürliche Nässe reagieren zu müssen.

Interessant ist auch, dass der Test trotz seines Umfangs in einigen Punkten ungewöhnlich intransparent blieb. Pirelli veröffentlichte keine Bilder von den Fahrten. Gleichzeitig blieb in einer Zusammenfassung offen, welches Testfahrzeug Alpine genau eingesetzt hatte, während ein anderer Bericht von einer angepassten Version des 2026er Autos sprach. Für die Aussagekraft der Reifendaten ändert das zwar wenig, zeigt aber, wie kontrolliert der Hersteller dieses Entwicklungsprogramm behandelt.

Für Pirelli ist der Nutzen dennoch klar. Der Hersteller erwartet, dass die in Magny-Cours gewonnenen Daten in künftige Lösungen für Regenreifen einfließen, vor allem mit Blick auf Themen wie Sichtverhältnisse und thermischen Abbau. Gerade diese Punkte sind für echte Regenrennen in der Formel 1 zentral, weil nicht nur das Grip-Niveau zählt, sondern auch, wie konstant und einsetzbar ein Reifen unter schwierigen Bedingungen bleibt.

Die Arbeit in Magny-Cours war damit kein isolierter Funktionstest, sondern ein Baustein in einem längeren Entwicklungsprozess. Die nächste offizielle Reifenerprobung ist bereits für den 16. und 17. Juni in Barcelona angesetzt, dann mit Fokus auf Slicks. Die in Frankreich gesammelten Erkenntnisse sollen aber direkt in die weitere Entwicklung der künftigen Nassreifen einfließen.