Esteban Ocon behält Platz 13 im Sprint zum Kanada-Grand-Prix, nachdem die Sportkommissare Haas nach einem mutmaßlichen Verstoß gegen das Reifenluftdruck-Protokoll ohne Strafe davonkommen ließen.
Zunächst sah es nach einem heiklen Nachspiel für den Haas-Piloten aus. FIA-Technikdelegierter Jo Bauer hatte den Fall an die Kommissare verwiesen, nachdem an Ocons Auto mit der Nummer 31 kurz vor dem Start eine mögliche Unregelmäßigkeit festgestellt worden war. Im Raum stand damit sogar eine Disqualifikation aus dem Sprint-Ergebnis.
Ausgangspunkt war die Kontrolle auf dem Grid. Laut Bauers Bericht wurden die Reifendrücke an Ocons Auto um 11:51 Uhr Ortszeit überprüft, eine Minute später waren alle Räder am Wagen montiert, und dieser Ablauf entsprach zunächst den vorgeschriebenen Reifenprozeduren. Der Verdacht entstand erst durch eine spätere Beobachtung, die den Eindruck erweckte, als sei am linken Hinterreifen noch Luft abgelassen worden, obwohl das Rad bereits am Auto saß.
Jo Bauer, FIA-Technikdelegierter, schrieb in seinem Bericht an die Stewards: „Am Grid wurden die Reifendrücke von Auto Nummer 31 um 11:51 Uhr überprüft, und um 11:52 Uhr waren alle Räder am Auto montiert. All dies entsprach den FIA-F1-DOC-062A Tyre Operating Procedures.“ Er ergänzte: „Um 11:56 Uhr wurde jedoch am linken Hinterreifen Luft abgelassen, während das Rad am Auto montiert war.“ Nach Bauers Einschätzung war das nicht mit den Punkten 2.5, 2.7 und 2.8 der FIA-Reifenprozedur vereinbar.
Genau dieser Punkt machte den Fall sportlich brisant. Eingriffe am Reifenluftdruck nach der vorgeschriebenen Kontrolle sind streng reglementiert, weil sie direkten Einfluss auf das Verhalten des Autos haben können. Da Ocon den Sprint als 13. beendet hatte, ging es zwar nicht um Punkte, wohl aber um die offizielle Wertung und um einen technischen Vorgang, bei dem die FIA üblicherweise genau hinschaut.
Die Untersuchung kippte aber, als die Kommissare das verfügbare Videomaterial auswerteten. Dieses zeigte nach den vorliegenden Informationen keinen Kontakt mit den Reifen. Damit war die zentrale Annahme des ursprünglichen FIA-Hinweises nicht haltbar: Wenn niemand den Reifen tatsächlich berührte, konnte der Luftdruck auch nicht in der zunächst vermuteten Weise verändert worden sein.
Für Haas und Ocon war genau das der entscheidende Punkt. Der anfängliche Verdacht beruhte auf einer Beobachtung eines FIA-Mitarbeiters, doch die spätere Sichtung des Bildmaterials untergrub diese Grundlage. Die Stewards sahen deshalb keinen Anlass, eine Strafe auszusprechen.
Das Ergebnis blieb damit unverändert. Ocon durfte seinen 13. Platz behalten, und Haas vermied einen technischen Verstoß, der kurz nach dem Sprint noch nach einer deutlich härteren Konsequenz ausgesehen hatte.
© Jonathan Borba